Fotoausstellung in Waidhofen/Thaya

Gemeinsam mit Andreas Biedermannn und David Anderle stelle ich in Waidhofen aus. Eröffnet wird am 5. August ab 19 Uhr in der Kunst.Galerie.Waldviertel am Hauptplatz 7.

Subhash: „Salbei #9825”

„Salbei #9825”

Zu meinen Fotografien

Jede Bäuerin, jeder Gärtner, jeder Mensch, der gerne wandert, weiß, dass der selbe Ort nicht nur zu jeder Jahreszeit anders wirkt, sondern auch jeden Tag, ja mitunter sogar stündlich eine andere Atmosphäre hat. Diese Atmosphäre ist aber nicht nur Pflanzengemeinschaften zueigen, auch einzelne Pflanzen wirken nicht immer gleich; ihr Geist verändert sich. Manche Blüten strahlen beispielsweise am frühen Morgen, manche aber bei Sonnenuntergang. Oft sieht man ihnen die Freude am Dasein an, manchmal auch das Leiden an Umweltbedingungen. Das meine ich nicht poetisch: Sie sind offensichtlich Lebewesen, sie reagieren auf günstige und ungünstige Einwirkungen, und das bedeutet, dass sie auch Freude und Leid empfinden müssen.
Mir geht es auch bei meinen Pflanzenaufnahmen nicht um Exotik, sondern um das, was ohnehin vor unserer Haustüre liegt, aber mit den alltäglichen Augen der Gewohnheit leicht übersehen wird. Mit wenigen Ausnahmen sind alle gezeigten Pflanzengeister die von wildwachsenden Pflanzen.

Subhash: „#9304”

„#9304”

Zur Philosophie

Obwohl der Fotoapparat in Verdacht steht, nur die Oberfläche der Gegenstände abbilden zu können, ist es doch recht offensichtlich, dass es mit seiner Hilfe gelingen kann, dem Wesen der Dinge nachzuspüren. Freilich ist dazu nötig, Konventionen und Gewohnheiten zu überschreiten um die altbekannte Sicht auf die Welt aufzurütteln. Das „liebende Auge” ist gefragt, wenn die Oberfläche der Erscheinungen durchdrungen und ihre Tiefe besucht werden soll.
In manchen Mythologien werden Pflanzen als älteste Vorfahren der Menschen bezeichnet. Kein Zweifel, dass wir ohne ihre Hilfe nicht leben können. Ihrem Geist bildlichen Ausdruck zu verleihen ist die Absicht der gezeigten Serie. Ihm zu begegnen ist heutzutage weder selbstverständlich, noch einfach möglich: Simple Nützlichkeitserwägungen und analytisches und daher bloß scheinbares Wissen verstellen die Sicht. So bleibt Geduld, Warten auf meditative Gedankenleere und auf die Bereitschaft dieser Wesen, sich zu zeigen. Dann allerdings kann die Freude über die erstaunliche Ausdehnung der eigenen Weltsicht groß sein.

Subhash: „Färberkamille #2933”

„Färberkamille #2933”

Zur Technik

Bis auf eines wurden alle Bilder zwar digital fotografiert, aber mit manuell zu bedienenden Objektiven (das bedeutet kein Autofokus, keine Springblende). Ich wähle für jedes Bild das passende „Werkzeug” und passe es, wenn nötig, auch an. Ich baue schon einmal ein Objektiv um oder erstelle eigene Blenden und Filter. Sogar eine selbst gemachte digitale Lochkamera kam zum Einsatz. Alle Fotografien werden den alten Techniken der Dunkelkammer entsprechend nach der Aufnahme selbst ausgearbeitet und dann für die Ausgabe auf schweren Fine-Art-Papieren passend eingestellt. Danach werden sie mit archivechten Pigmenttinten „gedruckt” und nach der Trocknung samt Passepartouts hinter Glas gerahmt. Das bedeutet, dass der Produktionsablauf weitgehend in meiner eigenen Hand liegt.

Die Ausstellung

Ich freue mich, wenn wir einander bei der Eröffnung sehen können! Ich stelle 35 bisher noch nie öffentlich gezeigte Fotografien aus. Und was meine beiden Kollegen zeigen werden, ist auch für mich noch eine Überraschung. Sehenswert wird’s auf jeden Fall!

Ausstellungsplakat

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