Die Frauen versammeln sich neumondens am Feld

Bildtitel sind problematisch. Wenn einem daran liegt, dass die Betrachterin bzw. der Betrachter möglichst frei seiner Auffassung und Phantasie folgt – und mir ist das wichtig, weil ich den Akt der Wahrnehmung bewusst machen möchte –, dann tut man sich schwer damit, durch den Bildtitel eine Interpretation vorzugeben. Eine Zeit lang bin ich so verfahren, dass ich (abstrakten) Fotografien spanische Titel gab (weil hierzulande wenige Leute spanisch sprechen) oder gleich Kunstbegriffe erfand.
Bei gegenständlichen Fotografien finde ich es inzwischen schön, poetische Titel festzulegen. Denn sie können anregen, nicht seinen altbekannten Wahrnehmungsmustern zu folgen, sondern neu und frisch hinzusehen. Diese Titel sind natürlich nicht beliebig: Sie folgen meinen Assoziationen bei der Aufnahme oder Ausarbeitung des jeweiligen Bildes.
Ich muss in diesem Zusammenhang an Damien Hirsts eingelegten Hai denken, den ich als bloßes Kunstwerk eher langweilig finde, aber dessen Titel grandios ist: „Die physische Unmöglichkeit des Todes im Gemüt eines Lebenden”. Hier lenkt die Bezeichnung die Betrachtung in eine Richtung, die nicht naheliegend, vielleicht sogar überraschend ist. Im Idealfall aber (meinem Idealfall) schränkt ein Titel die Rezeption nicht ein, sondern erweitert das Thema des Kunstwerks.
Hier nun eine aktuelle Fotografie samt bereicherndem Titel:
Subhash: „Die Frauen versammeln sich neumondens am Feld”

„Die Frauen versammeln sich neumondens am Feld”

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