Bezahle deinen Fotografen!

Wieder einmal diese Situation:

Ein eMail aus der Redaktion eines Kulturmagazins einer österreichischen Landesregierung trifft ein: „Eilt bitte”. Die Chefredakteurin fragt an, ob ein bestimmtes meiner Fotos verwendet werden darf, das im Internet gefunden wurde.

Ich schau mir das an; ja, es ist eines meiner Fotos, suche es heraus, ja, es ist in ausreichender Auflösung und Qualität für den Druck vorhanden, suche mir die Auflage des Magazins über Internet heraus und schreibe zurück: „Darf verwendet werden, kenne Ihre Zeitschrift leider nicht, kostet normalerweise bis zum Postkartenformat bei dieser Auflage …” Ich lege noch zwei weitere Fotografien der angefragten Szene bei, um eine optimale Auswahl zu bieten.

Und dann: nichts. Einfach nichts mehr, gar nichts mehr. Auch im Spam-Ordner: nichts. Auch nach drei Tagen: nichts. Weiterlesen

Sagenhafte Freiheit

Subhash: „Fenster #9554”

„Kirchberger Fenster #9554”
für das Projekt
„Öffnungszeit”

Was zum Teufel machen sie denn mit ihrer sagenhaften Freiheit? Wo es irgendwie kostspielig wird, sind sie so vorsichtig wie irgendein deutscher Untertan. In der Tat, wer kann es sich denn leisten, Frau und Kinder zu haben, eine Familie mit Zubehör, wie es sich gehört, und zugleich eine freie Meinung nicht bloß in Nebensachen? Weiterlesen

Selbsteinschätzung

Workshop „Spiel der Wirklichkeit” – Rückseite

Flyer – Rückseite 1)

„Was kostet’s?” ist in unserer geldbetonten Wirtschaftsweise eine wichtige Frage. Denn seriöserweise muss ich abschätzen, ob ich mir das Angebotene leisten kann. Ob ich den geforderten Gegenwert in Geld erbringen möchte und kann. Das wäre ja noch relativ einfach.

So einfach ist es aber nicht, wenn man ein wenig nachdenkt. Denn ein bestimmter Geldbetrag ist kein absoluter Wert, obwohl es erst einmal so aussieht; Geld ist kein Wert an sich, sondern ein Symbol für einen Wert, ein Versprechen. Geld kann man nicht essen, man kann sich schlecht damit bekleiden, zum Wände tapezieren ist das Format zu mühselig, zum Einheizen brennt es zu schlecht. Weiterlesen

Die Nacht hat 12 Stunden dann kommt schon der Tag

Subhash: „Franz-Josef-Denkmal am Vereinsberg in Schrems (Waldviertel) #3227”

Franz-Josef-Denkmal am Schremser Vereinsberg

Wie tröstlich, dass die Denkmäler der Herrschenden ebenso verblassen wie die Grabsteine längst vergessener Menschen! Der Glanz der aufgeblasensten Hähne vergeht ebenso wie die Schande der Untertanen in Lumpen. Wenigstens am Ende sind wieder alle gleich.

Noch kann man die Inschrift entziffern, aber nicht mehr lange: Weiterlesen

Welt und Anschauung

„Vor der Eröffnung”

Vor der Eröffnung

Ein Text zur Ausstellung in Zwettl beim Sammer:

Alle Fotografie abstrahiert.

Bleiben wir fürs Erste bei der ohnehin herrschenden Sichtweise, es gäbe „da draußen” eine Welt voller Dinge und voller Energie, und wir als menschliche Wesen hätten Organe um davon ein wenig mitzubekommen.

Unseren Sinnesorganen ist nur ein kleiner Teil dieser Außenwelt zugänglich, und dieser Teil wird in der Fotografie auf optischen Wahrnehmung und weiter auf einen bloßen Teil des Visuellen begrenzt. Beispielsweise kann ich die Spanne der Helligkeitsunterschiede, die ich sehen kann, nicht ohne weiteres fotografieren. Nehme ich sie mittels speziellem Verfahren doch auf, so kann ich sie weder dem Augeneindruck entsprechend auf einem Monitor darstellen, noch aufs Papier bringen. Weiters ist das übliche fotografische Bild bekanntlich auf zwei Dimensionen beschränkt. Aus bewegtem Geschehen wird ein Standbild, aus dem Gesichtsfeld eine Aufnahme. Und doch wurde die Fotografie in ihren Anfängen als ein Medium gefeiert, das eine nie zuvor erreichte Objektivität und wirklichkeitsgetreuen Realismus ermöglichte. Gleichzeitig jedoch gab es kritische Stimmen, die fragten, ob sie denn überhaupt imstande sei, das „Wesen der Dinge” zu erfassen. Ob sie nicht, überladen mit völlig überflüssigen Details und „unnatürlicher Schärfe”, ein nur oberflächliches Abbildungsmittel des bloßen Augenscheins sei. Weiterlesen