Die Rote Gefahr

Subhash: „Die rote Gefahr #9950”

„Die rote Gefahr #9950”

„Fressen und gefressen werden” lautet das unbarmherzige Gesetz der freien Natur – zumindest wenn man den Darwinisten oder den Neoliberalisten glauben sollte.

Darwin selbst kann kaum etwas dafür, das einmal gleich richtig gestellt: Er hat zugegeben, dass Kooperation ein mindestens ebenso starkes Prinzip „der Natur” ist, wie Konkurrenz. Der russische Anarchist Peter Kropotkin hat gar ein Buch darüber geschrieben, wie weit verbreitet Kooperation unter allen Lebewesen ist: „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt”. Weiterlesen 

Wie ist das mit dem Tod?

Der Tod ist etwas Erschreckendes: Das Nicht-mehr-Sein, das Nie-wieder-Sein oder für gläubige Juden, Christen, Muslime: das Einander-erst-nach-dem-eigenen-Tod-Wiedersehen, das verstört einen. Wir wissen zwar normalerweise nicht aus eigener Erinnerung, was und wo wir waren, bevor wir waren, aber das hindert uns nicht daran, erschreckt zu sein über das Nichtwissen darüber, wo wir sein werden, wenn wir nicht mehr sein werden.

Subhash: „La flor muerta»

«La flor muerta»

Technische Daten: Olympus E-5, Zuiko 50 mm Makro, f/11, 1/6 sec, ISO 200, Stativ, Spiegelvorauslösung, Infrarotauslöser, Focus stacking (Tiefenschärfen-Erweiterung) mit 14 Einzelaufnahmen Weiterlesen 

Künstlerisch und dokumentarisch
(Panorama Mödling, Schrannenplatz)

Subhash: „Panorama vom Mödlinger Schrannenplatz”Subhash: „Panorama vom Mödlinger Schrannenplatz”

Unlängst bekam ich zu hören (bzw. zu lesen), dass mein letztes Bild «Explosión otoñal» nicht gefalle. Als Begründung wurde genannt: „… da bin ich wohl zu sehr Fotografin und zu wenig Künstlerin …” – Interessant, nicht? Da wird einem Bild das Fotografiehafte abgesprochen, weil es zu „künstlerisch” sei. So, als ob eine „künstlerische” Fotografie gar keine „richtige” Fotografie sei. Das bestätigt mich darin, wie notwendig meine Bemühungen sind, der Fotografie wieder mehr Raum zu verschaffen. Ich bin kein Feind der dokumentarischen Fotografie, aber sehr wohl einer ihrer Höherstellung. Weiterlesen 

Über Fotografie

Subhash: «Pormelado #3057»

«Pormelado #3057»

Wir betrachten die Photographie, das Bild an unserer Wand, als das Objekt selbst (Mensch, Landschaft, etc.), welches auf ihr dargestellt ist.

Dies müsste nicht sein.

(Ludwig Wittgenstein)

Jede Sprache im weiteren Sinn korrumpiert, lähmt und betäubt für gewöhnlich – nicht nur die der Fotografie, für die das Susan Sontag anmerkt. Sprache macht einerseits wahrnehmbar, indem sie sozusagen Behältnisse für den doch recht undifferenzierten Energiefluss bereit hält, doch sie prägt und zensuriert damit jede Wahrnehmung und lässt diesen Umstand dann vergessen. Sie stellt die Bausteine zur Verfügung, aus denen wir Erinnerungen bauen (und ohne Erinnerung keine Wahrnehmung), diese Modellbauwelt, die wir gewöhnlich für wahr nehmen. Sind uns die Bausteine sehr vertraut und verwenden wir sie immer auf die selbe Weise, dann ist unsere Welt grau, langweilig, leblos und altbekannt. Manche Wahrnehmung ist mit mancher Sprache auch einfach gar nicht möglich. Aber ebenso wie es Menschen gibt, die sich und Andere mit Hilfe von Worten aus der Betäubung heraussingen können, gibt es Überwinder*innen der Stumpfheit auf jedem Gebiet des „Hantierens mit Symbolen” (was „Sprache” letztlich bedeutet). Das sind Künstler*innen, die erst an die Grenzen gehen, an die Absperrungen, und dann darüber hinaus. Weiterlesen 

In welchen Himmel kommen tote Sonnen?

Cover Henri Huhki Edelbauer: „In welchen Himmel kommen tote Sonnen?”

Zugegeben: Es ist kein Fotobuch: Im Inneren befindet sich ein einziges Bild (das zeigt den Autor und ist schlecht gedruckt), und sonst gibt es nur eines am Cover, das sehen Sie hier links (groß auf Anklicken). Warum also wird dieses Buch hier vorgestellt, hier in einem Fotoblog? –

Nun, weil es ein philosophisches Fotoblog ist und Huhki mit diesem Buch ein philosophisches Werk vorlegt, dass auch Fotograf*innen inspirieren kann, geht es doch oft genug in seinen Texten um Wahrnehmung, Erkenntnis und Kreativität, worauf der geneigte Leser, die stöbernde Leserin dann mit Neugier, Begeisterung, Verwirrung, Verwunderung und/oder Unverständnis reagieren mag, ungefähr in dieser Reihenfolge, wobei ein Gefühl dabei nicht die vorigen auslöscht, sondern sich nur – zeitweise dominant – druntermischt, und Unverständnis auch nicht das ist, was bleibt, sondern ein Amalgam aus allen Reaktionen. Fad wird einem jedenfalls nicht dabei. Weiterlesen 

Die Welt sehen

Subhash: «Cielo negro #117_2»

«Cielo negro #117_2»

Die Welt ist die Welt, weil du weißt, welche Anschauung erforderlich ist, sie dazu zu machen. Würdest du sie nicht durch Anschauung zu dem machen, was sie ist, dann wäre die Welt anders.

(frei nach Carlos Castañedas Don Juan)

In der deutschen Übersetzung des Originals („Reise nach Ixtlan”) heißt es statt Anschauung „Tun”. Das ist natürlich insoferne gerechtfertigt, als nicht nur körperliches Anschauen und eine geistige Weltanschauung dazu nötig ist. Aber hier in diesem Blog geht’s mir zu allererst um Fotografie, und die hat sehr viel mit Anschauung, geistiger und körperlicher, zu tun. Weiterlesen 

Ein Weg mit Herz 2

Subhash: «Un camino con corazón 2»

«Un camino con corazón 2»

Para mi solo recorrer los caminos que tienen corazón, cualquier camino que tenga corazón. Por ahí yo recorro, y la única prueba que vale es atravesar todo su largo. Y por ahí yo recorro mirando, mirando, sin aliento.

Für mich gibt es nur das Gehen auf Wegen, die Herz haben, auf jedem Weg gehe ich, der vielleicht ein Weg ist, der Herz hat. Dort gehe ich, und die einzige lohnende Herausforderung ist, seine ganze Länge zu gehen. Und dort gehe ich und sehe und sehe atemlos.

(Don Juan in Carlos Castañeda: „Die Lehren des Don Juan”)

Ein Weg mit Herz?

Subhash: «Un camino con corazón?»

«Un camino con corazón?»

„Jedes Ding ist eines von Millionen Wegen. Darum musst du immer daran denken, dass ein Weg nur ein Weg ist. Wenn du fühlst, dass du ihn nicht gehen willst, musst du ihm unter gar keinen Umständen folgen. Um so viel Klarheit zu haben, musst du ein diszipliniertes Leben führen. Nur dann wirst du wissen, dass ein Weg nur ein Weg ist, und dann ist es für dich oder für andere keine Schande, ihm nicht zu folgen, wenn es dein Herz dir sagt …” Weiterlesen 

Kunst und Alltag

Subhash: «En el lago #1750»

En el lago #1750

Wir wollen die Kunst, dieses Exzeptionelle, dem Alltag vermählen. Die Hand der Dame R. H. ist ein Kunstwerk Gottes. Wir bringen sie photographiert. […] Der Reichtum des Daseins, nahegerückt für die, deren notwendige Geschäftigkeit sie hindert, ihn zu erleben! […] Wir wollen dich erziehen, das heißt aufhalten in deinen Rastlosigkeiten, auf dass du verweilest, schauest, staunest! Es gibt so viel zu schauen und zu staunen! Innezuhalten, zu verharren! Stillgestanden, Allzugeschäftiger! Nütze deine Augen …

(Peter Altenberg: „Kunst”, 1903)

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„Es malt mich”
(oder: Meine Beziehung zur abstrakten Kunst)

Rahi: „Butterfly Newborn”

Rahi: „Butterfly”

Als autodidaktischer Künstler beschäftige ich mich mit großer Begeisterung und Hingabe mit der Malerei. Seit 1999 sind so mehrere hundert „Bilder” entstanden, die immer mehr aus meinem Bauch als aus dem Kopf entstehen. Bevorzugt am Morgen entstehen so die Bilder wie von alleine – es malt mich! Mein eigener Anspruch löst sich auf, und ich genieße es, mich auch selbst zu überraschen. Oft kommt der „Sinn” erst nachher hinein. Wie z.B. im vorliegenden Bild  BUTTERFLY. Weiterlesen 

Prager Fotografie 4
(oder: Augen, die nicht sehen)

Subhash: „Das Abstrakte ist konkret …”

Das Abstrakte ist konkret …

Anscheinend ist die Gewohnheit, von einer Fotografie zu erwarten, dass sie auf etwas Anderes, Gegenständliches verweist, heutzutage fast übermächtig. „Die Leute wollen eben etwas sehen”, lautete die entschuldigende Antwort auf eine meiner häufigen Klagen über die Abwesenheit von selbst-referenzieller Fotografie bei einer großen Foto-Ausstellung. Weiterlesen