Den Fetisch Schärfe sein lassen

Eine Spiegelreflexkamera des Four Thirds-Systems mit selbst gebautem Lochkamera-Adapter: Da gibt es keine Schärfe, wie sie heutzutage selbstverständlich erwartet wird. Das Bild wird gleichmäßig unscharf vom Vorder- bis zum Hintergrund. Also ein Mittel um die gewohnte Illusionsfotografie zu durchbrechen.
Subhash: „Bach #3989”

„Bach #3989”
Die Blendenöffnung einer Lochkamera ist winzig im Vergleich zu allen Objektiven, die man kaufen kann, die Tiefenschärfe riesig. Warum also wird so ein Bild nicht scharf? –
Die Formel für die ideale Lochgröße zeigt, dass das Loch umso kleiner sein sollte, je geringer der Abstand Film bzw. Sensor zu Loch ist. Eine Schuhschachtel verträgt also ein weitaus größeres Loch als meine Kamera. Mit meinen Mitteln bin ich nicht in der Lage das ideale Loch zu erreichen; es wird zu groß. Dadurch ist die Schärfe meiner Lochkamera-Fotografien geringer als es theoretisch möglich wäre. Das oben gezeigte Bild wurde mit 25 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen, und das ist der zweite Grund: Alles, was sich bewegt, wird noch unschärfer. Ein Lufthauch genügt.
Gut, das sind die technischen Voraussetzungen, mit denen ich zu tun habe, wenn ich solche Aufnahmen mache. Die lassen sich nun einsetzen. Wenn Textur nicht abgebildet werden kann, Struktur nur schwach, Tiefenausdehnung nicht durch den Schärfeverlauf dargestellt werden kann, dann bleiben grobe Linien, Farbe und Fläche. Das ist sozusagen mein Material. Unnötige Details verschwinden (eine Forderung der Piktoralisten), die Bilder werden weich und zart. Ein Blick auf die Motive entsteht, der dem Mainstream – kontrastreich, stark gesättigte Farben, gestochene Schärfe – in allen Punkten widerspricht. Ideale Voraussetzungen um Sehgewohnheiten bewusst zu machen, vielleicht gar zu durchbrechen, und darum geht’s mir schließlich.

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