Schlechtes Wetter ist gutes Wetter

Ich mag ja das so genannte „Fotografierwetter” nicht so gerne. Ich meine, zum fotografieren mag ich es nicht so gerne: Strahlender Sonnenschein, womöglich noch um die Mittagszeit, macht keine guten Bilder. Es ist aber nichts dagegen einzuwenden, diese Zeit im Liegestuhl zu verbringen, im Garten, auf den Bergen oder im Wald, wenn man keine wichtigeren Angelegenheiten wahrnehmen zu müssen meint.
Was aber das Fotografieren betrifft, ist mir „schlechtes Wetter” lieber. Das ist für mich „gutes Wetter”, „Fotografierwetter”. Oft nehme ich die damit verbundenen Unannehmlichkeiten nicht in Kauf und bleibe lieber hinterm Ofen, aber strömender Regen, starker Nebel, eisiger Wind sind die Zutaten die Bilder ergeben, die man nicht ganz so oft sieht wie Schönwetterbilder. Zarte Bilder, leise Bilder.
Subhash: „Nebel #184”
Die Luftperspektive beispielsweise wird bei trübem Wetter stark betont: Landschaft wird kulissenhaft, was weiter weg liegt flau und heller bis man nur mehr erahnen kann, was sich im blaugrauen Schleier verbirgt. Grafische Fotografien ergibt das, und Elemente werden hervorgehoben, die man sonst leicht übersieht.

 Aufrufe dieser Seite: 4.498

↓ Ähnliche Artikel

  • Prager Fotografie (Teil 3 – Jan Reich)
    Eine große Retrospektive ist dem tschechischen Fotografen Jan Reich gewidmet, der vor 3 Jahren verstorben ist: Über 420 Fotografien kann man in einem Seitenflügel der Prager Burg noch bis in den Sommer sehen (Plakat links). Seine Frau Jana Reichová kuratierte diese Ausstellung. Reich fotografierte in Schwarzweiß mit einer alten Holzkamera, die er vom berühmten Josef Sudek geerbt hat, Weiterlesen
  • Wann Kunst nicht von Können kommt
    «Alba»: nicht gekonnt? Im Nationalsozialismus war man sich sicher, dass es Zweck der „entarteten Kunst” sei, den „angeborenen Schönheitssinn des deutschen Menschen zu ertöten” und „das auch politisch angestrebte Chaos” zu verwirklichen. Wessen Kunst nicht vom Können, wie es die Nationalsozialisten anerkannten, käme, der „verkörper[e] die mit künstlerischen Mitteln unterstützte Volksverdummung”. 1) Auch heute noch hört man dieses Weiterlesen
  • Bedrohliche Technik
    … Dann noch zu hören, dass diesen Ort des öfteren Selbstmörder*innen für ihren letzten Schritt wählen, bestätigt das leise Grauen nur mehr. (Fotografie von Subhash) Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert