Street Photography – Der hämische Blick?

Wenn man sich die Fotografien in der aktuellen Ausstellung des Kunsthauses Wien ansieht (die mit bemüht zeitgeistiger Schreibweise „Street.Life.Photography” betitelt ist) könnte man meinen, Street Photography sei zu einem großen Teil Lust am Bloßstellen von Leuten im öffentlichen Raum und kaum unterschieden von den Aufnahmen sensationslüsterner Paparazzi. Denn was soll man davon halten, wenn die anscheinend an U-Bahn-Fenstern plattgedrückten Gesichter müder Leute bloßgestellt werden, ins Fenster eines Nachtklub-Badezimmers hineinfotografiert, die Blutlache eines anscheinend gerade Verstorbenender der Urinlache eines Hundes gegenübergestellt oder ein Erhängter mit einer Fotografie nach oben schauender Menschen kontrastiert wird?

„Street.Life.Photography” im Kunsthaus Wien

Berühmte Namen sind da vertreten, Diane Arbus, Robert Frank, Lisette Model, … ergänzt mit ein paar deutschen und österreichischen Fotografen wie Wolfgang Tillmans oder Erich Lessing. Wobei diese „europäische Erweiterung” der Ausstellung manchmal etwas gezwungen wirkt: Ist Erich Lessings journalistische Aufnahme eines Umzugs der jungen Kommunisten aus den 50er-Jahren wirklich Street Fotografie? Wie hebt sich dieses Bild vom Zeitungsfoto ab? Habe ich es etwa mit den Fotografien in den Regionalzeitungen, die mir ungefragt das Postkasterl füllen, ebenfalls mit Street Photography zu tun?! Was haben die in der Vergrößerung erbärmlich schlechten Street Views der bekannten Datenkrake Google – in der während meines Besuchs stattfindenden Führung als „ungewöhnlicher Look” bezeichnet – mit diesem Genre zu tun?

„Street.Life.Photography” im Kunsthaus Wien

Ja, es gibt auch ruhigere Bilder in dieser Ausstellung. Der Wiener Fotograf Alex Dietrich ist mir beispielsweise positiv erinnerlich. Liegt es an mir, dass das Distanzlose, Aufdringliche, Übergriffige diese feinere Klinge überschreit? Kann vielleicht nur ich keinen gelasseneren, freundlicheren Blick auf die Exponate werfen?

„Street.Life.Photography” im Kunsthaus Wien

Wenn ich das Gelächter der Besucher*innen über die knalligen Weitwinkelfotos aus Mumbai höre und sehe wie der nahezu zahnlose Mund im grotesk verzerrten Gesicht eines Taxifahrers mit dem Handy abfotografiert wird, dann ist klar, dass hier Einfühlungsvermögen in fremde Lebenszusammenhänge nicht nur nicht gefördert, sondern platte, gedankenlose Belustigung erreicht wird.

Und das ist also Streetfotografie?

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