Nützlich in der Hohlwelt

Subhash: „Hohlwelt #4641”

Verlegen in der Hohlwelt steht ein kleiner Baum herum. Zu nichts nutz wächst er hier- und dorthin. Der Sportplatz ist zu weit weg, als dass er mit Schatten dienlich sein könnte.

Einst beneidete er seinen Kollegen, der diesem viel näher steht, aber entschloss sich dann doch zaghaft auf erschöpfte Jogger zu setzen und kinderwagenschiebende Mütter, die ihren Nachwuchs gezielt und dosiert den Sonnenstrahlen aussetzend die nahe Landstraße gelegentlich benutzen. Auch ihnen mag es manches Mal zu heiß herunterbrennen aus dem Konkavhimmel über ihnen.

Blöderweise haben übereifrige Landschaftspfleger einige seiner Äste beschnitten und einfach nahe seinem Stamm liegen lassen, was die Bequemlichkeit der laubgepolsterten Sitzgelegenheiten unter dem Blätterdach doch sehr beeinträchtigt! Und überhaupt! Langsam könnte man ihm eine Rastbank hinstellen: Letzten Sommer hat er ja gar mächtig zugelegt mit seinem Blätterschirm. Es muss ja nicht gleich Bank und Tisch sein oder gar eine Jausenstation in Form eines Kiosk (ein Bauchladen tät’s ja auch), aber ein wenig Anerkennung wäre wirklich langsam angebracht. Kein Wunder, wenn die Landschaftsschnipsler sich respektlos an ihm vergreifen … – oder Moment! – könnte es sich nicht um baumpflegerische Maßnahmen handeln, um das so genannte Aufasten, um noch stehenden Erschöpften ebenso ein ungehindertes Verweilen zu ermöglichen? Das müsste dann im Frühling aber ein Entfernen der Äste zur Folge haben, von wegen Bequemlichkeit, nicht wahr?

Diese erfreuliche Aussicht lässt unseren Helden frohen Mutes und etwas selbstbewusster die letzten Winterwochen überstehen. Tragen seine Bemühungen um Nützlichkeit vielleicht doch noch und letztendlich Früchte. SportlerInnen wären ohnehin nicht das richtige Publikum für seinesgleichen gewesen; er freut sich eher auf feinsinnige Pensionisten und neckische Ruheständlerinnen, die die Rast länger, aufmerksamer und  – nicht ausgeschlossen – auch dankbarer genießen als hyperaktive Zappeldynamiker oder -innen. Für solche Schattensuchende ließe er locker ein paar Jogger (und auch -innen) stehen respektive laufen. In die zarten Seelen der KinderwageninsaßInnen würde er sich nur zu gerne etwas einprägen! Möglicherweise könnte er sogar in einem scheuen Gedichtchen eines von ihm beschatteten Dichters Ausdruck finden oder sich in einem kleinen Liedlein einer gelabten Sängerin wiedererkennen …

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