Bezahle deinen Fotografen!

Wieder einmal diese Situation:

Ein eMail aus der Redaktion eines Kulturmagazins einer österreichischen Landesregierung trifft ein: „Eilt bitte”. Die Chefredakteurin fragt an, ob ein bestimmtes meiner Fotos verwendet werden darf, das im Internet gefunden wurde.

Ich schau mir das an; ja, es ist eines meiner Fotos, suche es heraus, ja, es ist in ausreichender Auflösung und Qualität für den Druck vorhanden, suche mir die Auflage des Magazins über Internet heraus und schreibe zurück: „Darf verwendet werden, kenne Ihre Zeitschrift leider nicht, kostet normalerweise bis zum Postkartenformat bei dieser Auflage …” Ich lege noch zwei weitere Fotografien der angefragten Szene bei, um eine optimale Auswahl zu bieten.

Und dann: nichts. Einfach nichts mehr, gar nichts mehr. Auch im Spam-Ordner: nichts. Auch nach drei Tagen: nichts.

Das ist mittlerweile der Stellenwert der Fotografie …

… nicht nur in Österreich. Man muss sich das vorstellen: Es handelt sich um ein Kulturmagazin einer Landesregierung, nicht um eine Schülerzeitung oder einen Kulturverein, der von lauter Ehrenamtlichen am Laufen gehalten wird. Für so ein Landesregierungs-Kulturmagazin wird aus Steuergeldern ein Budget bereit gestellt. Die Frau Chefredakteurin wird vermutlich regelmäßig monatlich bezahlt, erhält Urlaubs- und Weihnachtsgeld, genießt bezahlten Krankenstand und bezahlten Urlaub und bekommt ihren Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt, aber das Schreiben einer Absage war ihr schon zu viel Arbeit. Wahrscheinlich fand sie das Verlangen, für eine Fotografie zu bezahlen, so absurd.

Ich frage mich, wie man da überleben soll als Fotograf*in, wenn es bereits so weit ist, dass nicht einmal eine öffentliche Stelle, die ohnehin wieder durch die Steuern auf die Foto-Rechnung mitfinanziert würde, versteht, dass eine Fotografie auch etwas wert ist und ohne Bezahlung nicht gemacht werden kann. – Jaja, ich weiß schon, es gibt Tausende, die freudestrahlend ihre Bilder verschenken und begeistert sind, wenn sie gedruckt werden. Die haben aber einen anderen Job, für den sie bezahlt werden, werden von ihren Eltern erhalten oder gehören zur vermögenden Klasse, sonst können sie gar keine Fotografien machen und sie dann verschenken und das Einkommen der Berufsfotograf*innen ruinieren.

Wenn man sieht, wie selbst staatliche Druckwerke mit Billig-Stockfotos aus dem Internet illustriert werden, dann steigt einem die Galle hoch: Selbstverständlich werden die, die die Fotos aussuchen, bezahlt (und das ist auch gut und richtig), aber sie verschwenden keinen Gedanken daran, dass sie auch andere für ihre Arbeit angemessen bezahlen sollten. Können sie etwas billiger oder für umsonst bekommen, dann nehmen sie das. Ich finde dieses Verhalten so richtig mies.

„Respektieren Sie Ihre*n Fotograf*in”

  1. Vielleicht war es ja diesmal ganz anders: Das Antwortmail ging am Weg zu mir verloren, die Zeitschrift wurde für die Redakteurin völlig überraschend eingestellt, sie wurde entlassen oder ist gar am Nachhauseweg verunglückt. Nur ist diese Geschichte leider symptomatisch und passiert mir nicht zum ersten Mal.
  2. Der Text vom Respektieren ist eine Übersetzung eines Kampagneplakats, das ich schon vor sieben Jahren im Internet gefunden habe.
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2 Gedanken zu „Bezahle deinen Fotografen!“:

  1. Mein Eindruck: Fotos mit hoher Qualität sind immer weniger gefragt. Oder positiver formuliert: Die Ästhetik ist im Wandel. Durch den Siegeszug der Handy-Fotografie tritt ein Gewöhnungseffekt in Richtung der dieser entsprechenden Qualität ein. Wenn aber das ausreicht, dann wird auch kein wirklich gutes Foto, das mit viel Aufwand entstanden ist, mehr benötigt bzw. nachgefragt, bzw. sind viele nicht mehr dazu bereit, für qualitätsvolle Fotos entsprechend zu bezahlen.

    • Danke für deine Antwort!

      Im allgemeinen ist das wohl oder eher übel so, aber es gibt Ausnahmen. Einerseits bedingt durch technische Voraussetzungen, andererseits gibt es Leute, die höhere ästhetische Ansprüche haben und Effekthascherei von bewusst gesehenen Bildern unterscheiden können. Und aufmerksam Sehen macht genauso für Handyfotos wie für DSL(R)-, Mittelformat oder Fachkameras den entscheidenden Unterschied.

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