„Winter” Making Of

Das Bild „Winter #7146” entstand bei einem Spaziergang über die verschneiten Felder. Das Motiv war nicht geplant, sondern hat mich „gerufen”, und ich habe schnell und spontan reagiert. Das Vernehmen dieses „Rufens” setzt eine gewisse Empfänglichkeit des bzw. der Fotografierenden voraus. Ist man zu sehr in Gedanken oder auf seine fotografischen Absichten fixiert, übersieht man leicht diese unerwarteten Motive. Eine gewisse meditativ-gedankenlose Haltung ist also von Vorteil.

Die Aufnahme selbst und die Ausarbeitung stellen gewisse Ansprüche, will man die diffizilen Tonabstufungen des Schnees wiedergeben. Hier das Ausgangsbild:

Ausgangsbild zu „Winter #7146”

So kommt die RAW-Aufnahme aus der Kamera, entwickelt mit meiner Lightroom-Standardeinstellung für diesen ISO Wert.

Die EXIFS:

Kamera-Hersteller: OLYMPUS IMAGING CORP.
Kamera-Modell: E-5
Objektiv: OLYMPUS 12-60mm Lens
Aufnahmedatum: 2015-01-31 15:18:57 +0100
Brennweite: 35mm (KB-Format entsprechend: 70mm)
Blende: ƒ/8.0
Belichtungszeit: 1/160
ISO: 200
Belichtungsabweichung: keine
Belichtungsmessung: Spot
Belichtung: manuell
Belichtungsmodus: manuell
Weißabgleich: auto
Blitz ausgelöst: nein (erzwungen)
Copyright: © Subhash 2015 – all rights reserved
Software: Adobe Photoshop Lightroom 5.7 (Macintosh)

Auch hier habe ich „to the right” belichtet um möglichst gute Daten zu bekommen. Ganz wichtig ist aber, keine Lichter zu beschneiden, denn die lassen sich nach der Aufnahme nicht mehr wiederherstellen.

Das Histogramm in Lightroom:

Histogramm zum Bild „Winter #7146”

Man sieht, dass es sich nicht um einheitliches Hellgrau handelt, sondern dass da sehr wohl Tonwertunterschiede vorhanden sind, die in der Entwicklung herausgearbeitet werden können. Die Herausforderung bestand nun darin, die Schneestrukturen herauszufiltern ohne die Zartheit des Motivs zu zerstören.

„Mach Weiß weiß und Schwarz schwarz”, sagte Ansel Adams. Das galt auch ihm aber nur, wenn tatsächlich Weiß und Schwarz im Bild vorhanden sein sollte. Ich wollte hier kein strahlendes Weiß erzeugen, denn es war ein trüber Tag (man sieht’s an den Schatten), und ich wollte die Stimmung nicht ändern. Nach dem Weißabgleich, der in diesem Fall fürs Erste von der Kamera unverändert übernommen wurde, ist mein erster Griff für gewöhnlich nach dem Weiß-Regler in der Grundeinstellungspalette in Lightroom (oder die Festlegung des Weißpunktes per Gradationskurve in Photoshop). Hier also nur eine sanfte Anhebung. Es folgt der Schwarz-Regler, der die Tiefen beeinflusst. Da wäre schon ein kräftigerer Eingriff erlaubt. Im Schnee gibt es keine dunklen Töne, und die Grasspitzen dürfen schon deutlicher werden. Nach einer Absenkung auf -16, minderte ich die Wirkung aber doch wieder auf -4 um den Kontrast nicht zu hart werden zu lassen. Der Lichter-Regler, der die hellen Töne beeinflusst (wenn man mit dem Cursor über die Regler fährt, wird der jeweils betroffene Bereich im Histogramm hervorgehoben), wirkte auf dieses Bild so gut wie gar nicht, daher wechselte ich zu Gradationskurve um die Tonwerte im Schnee etwas deutlicher voneinander zu separieren.

Gradationskurve der Ausgangsposition zum Bild „Winter #7146”

Die hellsten Töne sollten wie gesagt nicht noch heller werden, also wurden die etwas dünkleren abgedunkelt. Auch die Grasspitzen werden dadurch beeinflusst. Ich empfand den automatischen Weißabgleich durch die Kamera als zu warm und änderte daher Temp. von 5900 auf 5403 und Tönung von +11 auf -1. Der Kontrast wurde zunächst auf +3, die Klarheit auf +21 gesetzt. Die Dynamik bekam den Wert +58, Sättigung blieb auf 0.

Nachdem ich jedes Detail herauskitzeln wollte, setzte ich Maskierung in Details ebenfalls auf 0. Die Scharfzeichnung sollte ja überall wirken. Ein Verlaufsfilter dunkelte mir die rechte obere Ecke ab (Belichtung -13) und nahm dort auch die Klarheit wieder etwas zurück.

Die Belichtung setzte ich nun mit +0,10 fest, die Weiß-Beschneidung (Regler „Weiß”) mit +16. Hier nun die resultierende Grundeinstellungspalette, das Ergebnis-Histogramm und die vorläufige Version von „Winter #7146”:

Lightroom-Grundeinstellungen für „Winter #7146”
Histogramm für die Farbversion des Bildes „Winter 7146”

Farbversion von „Winter #7146”

Wenn ich Farbe nicht für essentiell für eine Fotografie halte, versuche ich eine Graustufenversion. In der Schwarzweißmischung Lightrooms hellte ich die Blautöne auf und minderte die Gelb- und Orangetöne. Den Kontrast in den Grundeinstellungen setzte ich dann aber zurück auf -13, was mir schöne weiche Übergänge bescherte. Der Kontrast der rechten Ecke oben wurde durch das schon gesetzte Verlaufsfilter auf -30 gesetzt. Ich versuchte verschiedene Bildbeschnitte, nahm aber schließlich nur oben und links etwa 150 px weg. Mein Preset „winterkalt” färbte das Bild mittels Teiltonung wieder etwas ein.

Histogramm zur getonten Graustufenversion von „Winter #7146”

Und hier schließlich das Ergebnis:

Subhash: „Winter #7146”

↓ Ähnliche Artikel

  • Wie die „Zimmerpflanzen”-Bilder entstanden – Die beiden Bilder im Beitrag „Sehnsucht nach Licht” zeigen den Blick auf die durch einen Vorhang strahlende Sonne. Davor eine Zimmerpflanze, ihr zugewendet. Diese Stimmung wollte ich nicht stören … (Eine Bildbeschreibung im Mitgliederbereich der „Augenöffner”.)  … Weiterlesen →
  • Notizen zu einem langweiligen Bild – Das langweilige Bild wurde schon bei der Aufnahme so langweilig gestaltet: Die dominante Ackerfurche wurde exakt in die Mitte gesetzt. Der Horizont auch. Hin und wieder juckt es mich eben in den Fingern, eine Regel, … Weiterlesen →
  • Eis – Nicht ganz einfach zu fotografieren ist ein Block Eis. Aber mit etwas Geduld und einer adäquaten Ausarbeitung kommt die Kälte und Härte spürbar ins Bild.  … Weiterlesen →

 

2 Gedanken zu „„Winter” Making Of“:

  1. Faszinierend in jeden Hinsicht: optisch, ästhetisch, handwerklich und, wahrlich nicht zuletzt, in seiner, wie ich finde, philosophischen Aussage. Ich sehe es als Tao-Bild. Realität bricht auf. Yin und Yang werden sichtund erfaßbar.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

CAPTCHA Image

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>