„Still living beings” Projektkonzept

2009 – wenn ich mich richtig erinnere – war das Jahr der Birne. Unser alter Birnbaum trug so viel wie seit Jahren nicht mehr, überall gab es Birnen in Massen, und sie wurden gerne angenommen. 2011 ist nun das Jahr der Rodung. Es wird umgeschnitten, runtergerissen, niedergewalzt und umgeackert als gelte es, sich gegen einen Urwald ungezähmter Pflanzen durchzusetzen. Die hässliche Fassade wird dem Efeu vorgezogen, Hecken werden weggehackt ohne Rücksicht auf Verluste von Nützlingen und Diversität, Hohlwege ausgebaggert als müssten Sattelschlepper sie befahren. Ganze Allen, in Jahrzehnten gewachsen, werden umgeholzt und durch kümmerliche Produkte einer Baumschule ersetzt, so als wären Bäume Nippes, die man hin und wieder gerne ein wenig umstellt um seine Umgebung neu zu gestalten.
Still living beings” also:
Die Dreifachbedeutung dieses Titels wird der Serie ganz gut gerecht. Sie kreist um Leben und Tod, um scheinbare Ruhe und verborgene Rhythmen, um Alltäglichkeit und Vergänglichkeit. Ich versuche mich mit diesem Projekt dem Stillen Leben neu zu nähern und zugleich meine fotografischen Grenzen auszuweiten. Man könnte sich angesichts dieser Bilder fragen, ob sie denn überhaupt noch Fotografien seien. Nun, das Werkzeug ist eine digitale Spiegelreflexkamera; ihr Gebrauch allerdings widerspricht gleich mehreren eingebürgerten fotografischen Regeln. So wird die Grenze zum Film aufgeweicht und das Sehen von Moment und Standpunkt befreit. Mehrere Perspektiven fließen ineinander – schon in der Kamera – und Zeitpunkte werden zu Zeittümpeln. Dokumentation wird zugunsten von Impression vermieden.
In meiner eigenen Arbeit finden sich einige Vorläufer. Einer davon ist „Wind” aus den „Bildern der Woche”, andere können in meiner Serie „Können Pixel tanzen?” und anderen gefunden werden. Aber für mich selbst hat „Still living beings” allerdings etwas tatsächlich Neues. Der Rhythmus fließt freier, die Symmetrie ist in größerem Maße gebrochen. Aufnahme- und Ausarbeitungstechnik ist ziemlich anders als bei „Können Pixel tanzen?”. Die Software „Photoshop” spielt nur eine relativ geringe Rolle. Die Bilder sind weitgehend monochrom gestaltet; auch das kommt nicht von ungefähr, sondern folgt langen Jahren in der Schwarzweiß-Dunkelkammer und einer erneuten Beschäftigung mit diesem Teilbereich der Fotografie.
Still living beings” vereint auf diese Weise Konsistenz und eine neue Herangehensweise in meiner fotografischen Arbeit.

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