Cyanotypien sind nicht wiederholbar

Eine Cyanotypie ist nicht exakt wiederholbar, jede ist ein Unikat. Wird sie auch noch getont, ist es noch schwerer eine ähnliche Anmutung zu erreichen wie beim vorigen Mal. Einige Zeit gelang es mir, beinahe neutralgraue „Drucke” herzustellen, aber dann änderte sich irgendetwas, das Papier, die Chemie, die Umgebungstemperatur, die Wasserhärte, … und die Tonung griff nicht mehr so richtig an. Doppelte Dosis, das Bleichen anpassen, länger, kürzer belichten: nichts half. Obwohl ich genaue Aufzeichnungen über den Ausarbeitungsprozess führe, ist es mir nicht möglich, gewohnte Ergebnisse auf die gewohnte Art zu erreichen. Die neutralgrauen Cyanotypien sind anscheinend vorerst einmal Geschichte, was mich betrifft. Und dann war auch noch mein Lieblingspapier plötzlich nicht mehr erhältlich. Längere Suche im Internet führte noch zu ein paar übriggebliebenen Blöcken, aber jetzt scheint Schluss zu sein. So musste ich mich auf die Suche nach neuem Material machen. Nach drei Tagen Testen bin ich erst einmal mit der Papiersuche zu Ende gekommen.
Cyanotypie-Tests
Diese Unwägbarkeiten des Verfahrens können ganz schön auf die Nerven gehen, aber sie sind gleichzeitig auch das, was den Reiz dieses Edeldrucks ausmacht. – Ob man die Cyanotypie überhaupt als Edeldruckverfahren bezeichnen darf, ist nebenbei gesagt nicht ganz unumstritten. Gesichert ist aber, dass sie das dritte Verfahren war, das die Herstellung dauerhafter fotografischer Bilder ermöglichte. Der bekannte Astronom John Herschel hat es 1842 zum ersten Mal ausführlich und genau beschrieben (siehe Wikipedia).
Durch diese ausführlichen Tests ist mir am dritten Tag beim Aufräumen eine Idee gekommen, wie ich wieder meinen Lieblingston erreichen könnte. Vielleicht wird es also doch noch klappen. Warum diese Veränderung eingetreten ist, bleibt aber wohl ein Geheimnis.

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