You can not do it

23 de enero

«23 de enero», Caracas, Venezuela

Der Kanadier David duChemin hat in seinem Blog unlängst wieder einmal aufgewärmt, was hierzulande als „amerikanischer Traum” bekannt ist. So sehr ich ihn als Fotografen schätze: Ich hätte nicht gedacht, dass er mit dieser dummen, alten Geschichte daherkommt.

Arbeit ist immer historisch und kollektiv. Was immer man tut, man baut auf der Leistung anderer auf. Ohne andere Menschen gäbe es weder eine einzige Fotografie, noch irgendeine*n Fotograf*in. Der eigene Anteil an dem, was man schafft, ist verschwindend gering verglichen mit der Masse an gemeinsamer Arbeit, die in ihm steckt. Weiterlesen

Fotografieren, was man nicht sehen kann

Subhash: Ohne Titel, undatiert (Ausschnitt)

eBook under construction

Die letzten Wochen habe ich an meinem neuen eBook gearbeitet und bald wird es so weit sein, dass man es hier downloaden kann. Diesmal wird’s um Abstrakte Fotografie gehen, ein spannendes Thema!

„Abstrakt” bedeutet ja nicht nur „ungegenständlich”, sondern ebenso das Weglassen von Einzelheiten und das Überführen auf etwas Allgemeineres oder Einfacheres. Sagt Wikipedia. In der Kunst bezeichne „Abstraktion einerseits die mehr oder weniger ausgeprägte stilistische Reduzierung der dargestellten Dinge auf wesentliche oder bestimmte Aspekte.” Also z.B. den Wald wieder trotz lauter Bäumen sehen. – Ja, und andererseits? – Andererseits bezeichne Abstraktion Strömungen in der Kunst, deren Merkmal die völlige Abwesenheit eines Gegenstandsbezuges sei. 1) Womit wir wieder bei meinem neuen eBook sind, denn darin zeige ich zumindest zwei Fotografien, denen jeder Gegenstandsbezug komplett fehlt. Spannend, nicht? Denn es gibt ja genug Leute, die es für ausgeschlossen halten, dass man etwas fotografieren könne, „das nicht da ist”. Weiterlesen

Ich glaube nicht an Dokumentation

(Fotos mussten leider nach Ende der Ausstellung entfernt werden)

Henri Cartier-Bresson: INDIEN. Kaschmir. Srinagar. 1948. Muslimische Frauen auf den Hängen des Hari Parbal-Hügels beim Beten zur hinter dem Himalaya aufgehenden Sonne.

Ich muss gestehen: Ich fange nicht besonders viel mit ihm an. Das heißt: Ihn kannte ich nicht, ich weiß nicht, ob ich ihn gemocht hätte, aber seine Fotos, die mag ich nicht so recht, jedenfalls bei weitem nicht so sehr, wie es mir die übliche Rezeption nahelegen will. (Was durchaus gegen mich sprechen mag.) Weiterlesen

Wie man durch HDR reich wird

Hütte als HDR-Bonbon

Typisches
Bonbon-Tone Mapping
(aber es geht auch naturalistischer)

Ein Foto ist eine magere Angelegenheit. Eine Zweihundertfünfzigstel Sekunde meines Lebens. Flach in zwei Dimensionen. Mit einem erbärmlichen Kontrastumfang. Riecht nicht, schmeckt nicht, klingt nicht und ist auch mager in den haptischen Qualitäten – verglichen mit meiner Katze. Unbeweglich, starr und tot.

Nun ja. Ich mag es trotzdem Fotos zu machen. Nicht nur wegen der Ergebnisse – die sind manchmal trotz allem eine Freude – sondern weil ich anders sehe, wenn ich fotografiere. Ich habe durch die Fotografie eine andere Sichtweise erlernt, die Welt präsentiert sich mir anders, und das bereichert mein Leben. Weiterlesen

Wann Kunst nicht von Können kommt

Subhash: «Alba» (Beispiel für nicht gekonnte Fotografie?)

«Alba»: nicht gekonnt?

Im Nationalsozialismus war man sich sicher, dass es Zweck der „entarteten Kunst” sei, den „angeborenen Schönheitssinn des deutschen Menschen zu ertöten” und „das auch politisch angestrebte Chaos” zu verwirklichen. Wessen Kunst nicht vom Können, wie es die Nationalsozialisten anerkannten, käme, der „verkörper[e] die mit künstlerischen Mitteln unterstützte Volksverdummung”. 1)

Auch heute noch hört man dieses geflügeltes Wort oft; gerne wird behauptet, dass es das Können sei, was die Kunst ausmache. Diese Leute sprechen, so meine ich, über Kunstfertigkeit. Über handwerkliches Können, das man tatsächlich nicht gering schätzen sollte, aber das doch mit Kunst nicht notwendigerweise zu tun hat. Auch ich bewundere Könner_innen ihres Handwerks, mehr aber noch Künstler_innen. Weiterlesen

Zeigt ein Foto die Wirklichkeit?

Wirklich Wirklichkeit?

Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Selbstverständlich! Schon allein, dass man eine Fotografie sehen kann, also eine Wirkung auf die Sehnerven des Betrachters vorhanden ist, bedeutet, dass sie zur Wirklichkeit gehört. (Und welche Wahrnehmung gehört denn nicht zur Wirklichkeit? – Illusionen? Sind diese denn nicht auch wirksam?) Jedes Foto wirkt, sonst würde man sich die Frage, ob es die Wirklichkeit zeigt, gar nicht stellen. Aber ob’s die Wirklichkeit zeigt? Die da draußen, die die Platoniker meinen? Ob es also ein weiterer Schatten an der Wand ist, ein Abbild der Wahrheit, die wir Wahrnehmungs-Gefesselten nicht sehen können? Oder ist es nur eine Fälschung, etwas, dass es gar nicht gibt?

Die Frage nach der Wirklichkeitstreue der Fotografie ist schon eine ganz eigene: Wer so fragt, muss daran glauben, dass Fotografie selbstverständlich eine illustrierende, darstellende Funktion hat. In der aktuellen Ausstellung „Real” der Fotogalerie Wien etwa werden künstlerische Positionen präsentiert, die sich „dokumentarisch” mit dem Thema „Lebensraum” auseinandersetzen. Dokumentation als Realitätsderivat?

Stellen wir die Frage nach der Wirklichkeit beispielsweise an Musik, dann wird’s schon viel subjektiver, die Urbedeutung von Wirklichkeit als Wirkung liegt wieder näher. Kein Mensch fragt ernsthaft, ob Goreckis 3. Symphonie eine Fälschung ist oder was sie eigentlich darstellt. Ob sie „in Wirklichkeit” gar nicht existiert. Musik darf für sich stehen und muss nichts anderes meinen. (Das würde ich mir auch für die Fotografie wünschen.) Weiterlesen

In der Ruhe liegt die Kraft

Schaf-Kletterpartie

Gemütliche Serienaufnahme einer waghalsigen Kletterei

Wie viele Bilder pro Sekunde kann Ihre Kamera aufnehmen? Vier? Sechs? 25? (Wenn sie Filmchen drehen kann, dann werden’s wohl 25 sein.) Wie schnell ist denn der Autofokus? Braucht er 0,75 Sekunden um endlich scharf gestellt zu haben? Oder gar noch länger? Haben Sie ein „schnelles” Objektiv, eines, mit dem man auch bei sehr wenig Licht noch auf kurze Belichtungszeiten kommt und Bewegung einfrieren kann?

Sie erinnern sich: Vor ein paar Tagen habe ich über die Regeln geschrieben, die es in der Fotografie gibt. Eine weitere lautet: „Schnell ist gut.” Das Werkzeug soll schnell sein. Wie sonst könnte man die Schnelllebigkeit unserer Zeit einfangen? – Nun … Weiterlesen

Impressionistische Fotografie

Subhash: La borrasca

La borrasca

In der engagierten Fotografie gelten Regeln: Richtige Belichtung ist beispielsweise gut. Schärfe ist gut. Verzeichnisfreiheit des Objektives ist gut. Wissen, was man überhaupt aufnehmen will, ist gut. Eine überlegte Bildkomposition ist gut. Zufall ist (zumeist) schlecht, mangelnde Kontrolle ist schlecht, Experimente („Herumprobieren”) sind sowieso schlecht.

Also kaufen wir entweder eine vollautomatische Kompakte, die „alles selber macht” und noch dazu richtig, oder eine dieser wunderbaren Spiegelreflexkameras mit superschnellem Autofokus und Bildstabilisator und lernen zu erahnen, wie Licht von einem Sensor verarbeitet werden wird, studieren Tiefenschärfen-Tabellen (Falsch! Profis sagen, es muss „Schärfentiefe” heißen! 1)) und geben Unmengen an Geld aus für korrigierte, lichtstarke Optiken. Und wenn wir dann so ziemlich alles verstanden haben, alle Regeln kennen und nur mehr ganz selten etwas falsch machen, dann … Dann wird die Fotografie manchem manchmal etwas langweilig. Bei Leuten mit Kompaktkamera geht’s meist noch etwas schneller. Weiterlesen