{"id":8570,"date":"2015-10-30T06:55:12","date_gmt":"2015-10-30T05:55:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/?p=8570"},"modified":"2015-10-30T06:55:12","modified_gmt":"2015-10-30T05:55:12","slug":"welt-anschauung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/welt-anschauung\/","title":{"rendered":"Welt und Anschauung"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<div class=\"fl_img_1\"><a href=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/ausstellung_dersammer_15A281932.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/ausstellung_dersammer_15A281932-150x117.jpg\" alt=\"\u201eVor der Er\u00f6ffnung\u201d\" width=\"150\" height=\"117\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-8573\" srcset=\"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/ausstellung_dersammer_15A281932-150x117.jpg 150w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/ausstellung_dersammer_15A281932-513x403.jpg 513w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/ausstellung_dersammer_15A281932.jpg 977w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"bu\">Vor der Er\u00f6ffnung<\/p>\n<\/div>\n<p ><em>Ein Text zur Ausstellung in Zwettl beim Sammer:<\/em><\/p>\n<p >Alle Fotografie abstrahiert.<\/p>\n<p >Bleiben wir f\u00fcrs Erste bei der ohnehin herrschenden Sichtweise, es g\u00e4be \u201eda drau\u00dfen\u201d eine Welt voller Dinge und voller Energie, und wir als menschliche Wesen h\u00e4tten Organe um davon ein wenig mitzubekommen.<\/p>\n<p >Unseren Sinnesorganen ist nur ein kleiner Teil dieser Au\u00dfenwelt zug\u00e4nglich, und dieser Teil wird in der Fotografie auf optischen Wahrnehmung und weiter auf einen blo\u00dfen Teil des Visuellen begrenzt. Beispielsweise kann ich die Spanne der Helligkeitsunterschiede, die ich sehen kann, nicht ohne weiteres fotografieren. Nehme ich sie mittels speziellem Verfahren doch auf, so kann ich sie weder dem Augeneindruck entsprechend auf einem Monitor darstellen, noch aufs Papier bringen. Weiters ist das \u00fcbliche fotografische Bild bekanntlich auf zwei Dimensionen beschr\u00e4nkt. Aus bewegtem Geschehen wird ein Standbild, aus dem Gesichtsfeld eine Aufnahme. Und doch wurde die Fotografie in ihren Anf\u00e4ngen als ein Medium gefeiert, das eine nie zuvor erreichte Objektivit\u00e4t und wirklichkeitsgetreuen Realismus erm\u00f6glichte. Gleichzeitig jedoch gab es kritische Stimmen, die fragten, ob sie denn \u00fcberhaupt imstande sei, das \u201eWesen der Dinge\u201d zu erfassen. Ob sie nicht, \u00fcberladen mit v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssigen Details und \u201eunnat\u00fcrlicher Sch\u00e4rfe\u201d, ein nur oberfl\u00e4chliches Abbildungsmittel des blo\u00dfen Augenscheins sei.<!--more--><br \/>\nIch halte diese Fragen f\u00fcr wichtig, besonders heute, wenn \u2013 der \u00dcberf\u00fclle an Bildern der westlichen Welt ausgesetzt \u2013 noch immer nicht verstanden wird, dass hier von Objektivit\u00e4t gar keine Rede sein kann, Realismus eine eher naive Vorstellung ist und schon gar nicht die Wahrheit wiedergegeben wird. Fotografie gibt nicht Wirklichkeit wieder, sie <em>ist<\/em> Wirklichkeit: Sie wirkt. Sie liefert immer und ausschlie\u00dflich Bilder der Interaktion zwischen Fotograf*in und Welt, sozusagen zwischen Innen und Au\u00dfen. Sie zeigt nicht, was war, sondern bestenfalls was <em>auch<\/em> war. Das fotografische Dokument ist keine \u201ebeweisende Urkunde\u201d, sondern&nbsp;\u2013 wie \u00fcbrigens alle Dokumente&nbsp;\u2013 Darstellung der Welt, F\u00fcr-wahr-Nehmung, Interpretation.<br \/>\nDamit verliert sie nicht an Wert; sie gewinnt! Sie zeigt, was die Fotografin, der Fotograf zeigen wollte, sie verr\u00e4t mir etwas \u00fcber diesen fotografierenden Menschen; sie zeigt mir nicht, was sich au\u00dferhalb des fotografischen Rahmens oder gar hinter seinem R\u00fccken abspielte. Und dann ruft sie eine Reaktion hervor, fl\u00fcchtig oder bleibend: Sie wirkt. Auf mich und andere Anschauende. Das ist zwar selbstverst\u00e4ndlich, aber nicht belanglos: Fotografie verh\u00e4rtet das Bild, dass ich von der Welt habe oder macht es geschmeidiger, erweitert es, bereichert es. Sie vertieft die Pr\u00e4gung der Sehroutine oder verleitet zu neuem Sehen. Sie kann meine Welt&nbsp;\u2013 und das ist meine Welt<em>sicht<\/em>&nbsp;\u2013 gr\u00f6\u00dfer, weiter, spannender, frischer, offener machen. Und gerade weil sie heutzutage meist f\u00fcr ein objektiv abbildendes Medium gehalten wird, ist sie in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe als andere Kunstrichtungen dazu imstande, zu irritieren, die Klischees der Wahrnehmung aufzudecken und die Welt wieder lebendiger zu machen. Sie deutet daher gar nicht in erster Linie auf etwas da drau\u00dfen, sie verweist auf mich selbst. Selbstverst\u00e4ndlichkeiten werden zu M\u00f6glichkeiten, alternativlose Tatsachen zu poetischen Sichtweisen, eingefahrene Auffassungen durch zahlreiche Facetten bereichert. Insoferne sehe ich meine Arbeiten nicht nur als \u00e4sthetische Werke, sondern als grundlegend politische Angelegenheit, denn sie sagen, dass die Welt auch ganz anders sein kann, als sie uns derzeit erscheint: \u201eThere <em>is<\/em> an alternative.\u201d Fotografie ist imstande die Wirklichkeit selbst in Frage zu stellen und daher radikal. So hat sie an Stelle der vorgeblichen Objektivit\u00e4t, spirituelle, pers\u00f6nliche, gesellschaftliche, politische, soziale Bedeutung gewonnen.<br \/>\nSchlie\u00dfen m\u00f6chte ich mit einem Zitat frei nach Carlos Casta\u00f1edas Don Juan:<\/p>\n<blockquote><p>Die Welt ist die Welt, weil Sie wissen, welche Anschauung erforderlich ist, sie dazu zu machen. W\u00fcrden Sie sie nicht durch Ihre Anschauung zu dem machen, was sie ist, dann w\u00e4re die Welt \u2026 \u2013 anders.<\/p><\/blockquote>\n<ul style=\"margin-top: 2em;\">\n<li><em><a href=\"http:\/\/www.tips.at\/news\/zwettl-niederoesterreich\/kultur\/329491-fotografie-ist-wirklichkeit-vernissage-von-subhash-und-pramesh\">Bericht mit Bildern von der Er\u00f6ffnung<\/a><\/em><\/li>\n<li><em><a href=\"\/fotoblog\/fotoausstellung-in-zwettl\" title=\"Fotoausstellung in Zwettl\">Die Ausstellung ist noch bis Ende November zug\u00e4nglich.<\/a><\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fotografie verh\u00e4rtet das Bild, dass ich von der Welt habe oder macht es geschmeidiger, erweitert es, bereichert es. 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