{"id":3982,"date":"2012-10-30T05:43:37","date_gmt":"2012-10-30T04:43:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/?p=3982"},"modified":"2025-01-26T12:18:28","modified_gmt":"2025-01-26T11:18:28","slug":"ueber-fotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/ueber-fotografie\/","title":{"rendered":"\u00dcber Fotografie"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<div class=\"fl_img_1\"><a  href=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3057.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3057-150x112.jpg\" alt=\"Subhash: \u00abPormelado #3057\u00bb\" title=\"Anklicken zum Vergr\u00f6\u00dfern!\" width=\"150\" height=\"112\" class=\"size-thumbnail wp-image-4031\" srcset=\"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3057-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3057-513x384.jpg 513w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3057.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/p>\n<p>\u00abPormelado #3057\u00bb<\/p>\n<\/div>\n<blockquote style=\"margin-left: 170px;\" >\n<p>Wir <em>betrachten<\/em> die Photographie, das Bild an unserer Wand, als das Objekt selbst (Mensch, Landschaft, etc.), welches auf ihr dargestellt ist.<\/p>\n<p>Dies m\u00fcsste nicht sein.<\/p>\n<p class=\"credits\">(Ludwig Wittgenstein)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p >Jede Sprache im weiteren Sinn korrumpiert, l\u00e4hmt und bet\u00e4ubt f\u00fcr gew\u00f6hnlich&nbsp;&ndash; nicht nur die der Fotografie, f\u00fcr die das Susan Sontag anmerkt. Sprache macht einerseits wahrnehmbar, indem sie sozusagen Beh\u00e4ltnisse f\u00fcr den doch recht undifferenzierten Energiefluss bereit h\u00e4lt, doch sie pr\u00e4gt und zensuriert damit jede Wahrnehmung und l\u00e4sst diesen Umstand dann vergessen. Sie stellt die Bausteine zur Verf\u00fcgung, aus denen wir Erinnerungen bauen (und ohne Erinnerung keine Wahrnehmung), diese Modellbauwelt, die wir gew\u00f6hnlich f\u00fcr wahr nehmen. Sind uns die Bausteine sehr vertraut und verwenden wir sie immer auf die selbe Weise, dann ist unsere Welt grau, langweilig, leblos und altbekannt. Manche Wahrnehmung ist mit mancher Sprache auch einfach gar nicht m\u00f6glich. Aber ebenso wie es Menschen gibt, die sich und Andere mit Hilfe von Worten aus der Bet\u00e4ubung heraussingen k\u00f6nnen, gibt es \u00dcberwinder*innen der Stumpfheit auf jedem Gebiet des \u201eHantierens mit Symbolen\u201d (was \u201eSprache\u201d letztlich bedeutet). Das sind K\u00fcnstler*innen, die erst an die Grenzen gehen, an die Absperrungen, und dann dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<!--more--><\/p>\n<p>Kein*e Sprechende*r kann einfach beschlie\u00dfen, die einmal erlernte Sprache wieder abzulegen. Und man muss nicht fotografieren um der fotografischen Sprache nicht mehr entkommen zu k\u00f6nnen. Transzendenz ist nur durch Durchdringung m\u00f6glich: \u201eDer Weg hinaus ist der Weg hindurch.\u201d So wie man im Traum etwa durch das Br\u00fcllen eines Traum-L\u00f6wen geweckt werden kann, kann man durch eine Fotografie \u00fcber das Abbild hinaus blickend jenseits gelangen. (Ich selbst versuche das unter anderem durch abstrakte Fotografien anzusto\u00dfen.)<br \/>\nFotografieren hei\u00dft nicht Bedeutung <em>verleihen,<\/em> wie Susan Sontag meint (\u201eAmerika im d\u00fcstern Spiegel der Fotografie\u201d in \u201e\u00dcber Fotografie\u201d), sondern die Bereitschaft, (die vielleicht soeben erst offenbarte) Bedeutung zu akzeptieren und zu untersuchen. Denn das Motiv muss der Fotografin bedeutsam erscheinen, sonst wird es erst gar nicht fotografiert. Das sagt nichts gegen die Vorstellung, dass Bedeutung konstruiert wird, nur wird sie eben nicht durch den Akt des Fotografierens konstruiert, sondern zumindest f\u00fcr den Fotografen schon davor. An der schnell vor\u00fcbergehenden und auch nur vorgeblichen Bedeutsamkeit so vieler Fotografien zeigt sich der zum Misslingen verdammte Versuch, Bedeutung <em>willentlich<\/em> zu konstruieren.<br \/>\n<a class=\"np\" href=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3112.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3112-513x384.jpg\" alt=\"Subhash: \u00abPormelado #3112\u00bb\" title=\"Anklicken zum Vergr\u00f6\u00dfern!\" width=\"513\" height=\"384\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4087\" srcset=\"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3112-513x384.jpg 513w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3112-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/pormelado_3112.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 513px) 100vw, 513px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"bu\">\u00abPormelado #3112\u00bb<\/p>\n<p>Fotografie kann erreichen,<\/p>\n<blockquote>\n<p>&hellip;&nbsp;anderen die lebendige Welt, die sie umgibt, zu offenbaren, ihnen zu zeigen, was ihren eigenen, mit Blindheit geschlagenen Augen bis dahin verborgen geblieben ist&nbsp;&hellip;<\/p>\n<p class=\"credits\">(Edward Weston)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>und auch das ist schon eine gewisse Form der Transzendenz, des \u00dcberschreitens des Bekannten. Doch der Fotograf bzw. die Fotografin kann sich alleine auf diese Methode gestellt nicht aufmachen, seine <em>eigene<\/em> Welt zu erweitern. Dazu bedarf es der Kunst.<br \/>\nFotografie per se ist genauso wenig Kunst, wie Malerei von sich aus nicht Kunst ist. Beides ist zun\u00e4chst einmal Handwerk, Instrument der Energie\u00fcbertragung. Dieses kann gut oder schlecht ausgef\u00fchrt werden, und beides hat zun\u00e4chst einmal nichts mit Kunst zu tun. Handwerkliches K\u00f6nnen mag beeindruckend sein und ehrenwert, aber es ist nicht Kunst. Kunst ist nicht K\u00f6nnen. Kunst ist \u00dcberschreitung, \u00dcberwindung, Eroberung der Freiheit, Empfangen von neuen M\u00f6glichkeiten, <em>Ausbruch aus der Schutzhaft des Bekannten,<\/em> Anrufung des Anderen.<br \/>\nFotografie ist ein Medium, von dem man sich heutzutage blo\u00dfes Bewegen innerhalb von Konzepten erwartet; man traut ihr nicht zu, das wahrnehmbar zu machen, was es bisher noch nicht gibt, nicht einmal in der Vorstellung. (Man traut ihr also keine wahre Kreativit\u00e4t zu.) Gelingt ihr dies aber doch, so ist die \u00dcberraschung umso gr\u00f6\u00dfer. Und ist es nicht so, dass wir \u00fcberrumpelt werden m\u00fcssen, das Unbekannte nicht herbeidenken k\u00f6nnen, Befreiendes \u201evon au\u00dfen\u201d kommen muss?<br \/>\nGerade weil Fotografie durch Dokumentaristen zum blo\u00dfen Abbildungsmittel reduziert worden ist, ist Transzendenz mittels dieses Mediums so wirksam. Das \u00dcberschreiten der Grenzen der Erfahrung kann man zwar beabsichtigen, w\u00fcnschen, erhoffen, doch planen kann man\u2019s nicht. Es kommt immer unverhofft und nie so, wie wir uns das vorgestellt haben. (Sonst w\u00e4re es auch kein \u00dcberschreiten der Vorstellung, die ja schlie\u00dflich auch zum Erfahrbaren geh\u00f6rt.) Den Grenzzaun kann man niederrei\u00dfen, aber \u00fcberschreiten muss ihn doch jede*r selbst.<br \/>\n<a class=\"np\" href=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/encriptacion_p7175969.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/encriptacion_p7175969-513x384.jpg\" alt=\"Subhash: \u00abEncriptaci\u00f3n\u00bb\" title=\"Anklicken zum Vergr\u00f6\u00dfern!\" width=\"513\" height=\"384\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4103\" srcset=\"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/encriptacion_p7175969-513x384.jpg 513w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/encriptacion_p7175969-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/encriptacion_p7175969.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 513px) 100vw, 513px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"bu\">\u00abEncriptaci\u00f3n\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abPormelado #3057\u00bb Wir betrachten die Photographie, das Bild an unserer Wand, als das Objekt selbst (Mensch, Landschaft, etc.), welches auf ihr dargestellt ist. Dies m\u00fcsste nicht sein. (Ludwig Wittgenstein) Jede Sprache im weiteren Sinn korrumpiert, l\u00e4hmt und bet\u00e4ubt f\u00fcr gew\u00f6hnlich&nbsp;&ndash; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/ueber-fotografie\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_wp_rev_ctl_limit":""},"categories":[13,4],"tags":[15,52,61,64,67,84,96,101,112,122,130,133,138,145],"class_list":["post-3982","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eigene-bilder","category-philosophie","tag-abstraktion","tag-handwerk","tag-konzept","tag-kreativitaet","tag-kunst","tag-monochromie","tag-philosophie","tag-pormelados","tag-schwarzweiss","tag-stilllivingbeings","tag-theorie","tag-tonung","tag-wahrheit","tag-wirklichkeit"],"aioseo_notices":[],"views":7864,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3982"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3982\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16447,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3982\/revisions\/16447"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}