{"id":2631,"date":"2012-05-29T04:56:13","date_gmt":"2012-05-29T02:56:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/?p=2631"},"modified":"2012-05-29T04:56:13","modified_gmt":"2012-05-29T02:56:13","slug":"augen-nicht-sehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/augen-nicht-sehen\/","title":{"rendered":"Prager Fotografie 4 (oder: Augen, die nicht sehen)"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"np\" href=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_ausschnitt_p5010694.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_ausschnitt_p5010694-513x270.jpg\" alt=\"Subhash: \u201eDas Abstrakte ist konkret&nbsp;&hellip;\u201d\" title=\"Anklicken zum Vergr\u00f6\u00dfern!\" width=\"513\" height=\"270\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2577\" srcset=\"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_ausschnitt_p5010694-513x270.jpg 513w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_ausschnitt_p5010694-150x78.jpg 150w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_ausschnitt_p5010694.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 513px) 100vw, 513px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"bu\">Das Abstrakte ist konkret&nbsp;&hellip;<\/p>\n<p >Anscheinend ist die Gewohnheit, von einer Fotografie zu erwarten, dass sie auf etwas Anderes, Gegenst\u00e4ndliches verweist, heutzutage fast \u00fcberm\u00e4chtig. <em>\u201eDie Leute wollen eben etwas sehen\u201d,<\/em> lautete die entschuldigende Antwort auf eine meiner h\u00e4ufigen Klagen \u00fcber die Abwesenheit von selbst-referenzieller Fotografie bei einer gro\u00dfen Foto-Ausstellung.<!--more--><br \/>\nSelbstverst\u00e4ndlich will man etwas sehen, wenn man ein Bild betrachtet. Es fragt sich nur, warum eine ungegenst\u00e4ndliche Fotografie den Eindruck machen k\u00f6nnte, es g\u00e4be nichts zu sehen. Vermutlich behindert die nicht sehr weit gefasste Meinung, was sich denn \u00fcberhaupt zu sehen lohne; man sieht dann nur das Immergleiche:<br \/>\nEindrucksvolle Fotografien habe er keine gefunden, nur Muster, Linien und Flecken, rezensierte ein Amazon-K\u00e4ufer ein Fotobuch, das sich zur Aufgabe gestellt hat, Sehen zu lehren. Mir scheint, in so einem Fall sucht man in sich einen bereits fertigen Eindruck, in den dann ein soeben gesehenes Bild zu passen hat, andernfalls ist es eben \u201enicht eindrucksvoll\u201d. Dass durch die blo\u00df einmalige Ansicht einer Szene oder eines Bildes ein <em>neuer<\/em> Eindruck entstehen k\u00f6nne, ist anscheinend nicht mehr gegeben. Zu sehr ist die innere Landschaft bereits \u201eeingedr\u00fcckt\u201d, die Aufnahmef\u00e4higkeit ausgesch\u00f6pft, das Bewusstsein formatiert. Das ist nicht verwunderlich, wenn man zu oft ungesch\u00fctzt der banalen Tristesse der marktwirtschaftlichen Propaganda ausgesetzt wird. So stark verbildet, k\u00f6nnen nur mehr Bilder, die in die Stanzen der zahllos eingeh\u00e4mmerten Wiederholungen passen, als relevant wahrgenommen werden. Wie sonst k\u00f6nnte man angesichts einer Fotografie sagen, es g\u00e4be darauf \u201enichts\u201d zu sehen?<br \/>\nWie lerne ich nun (wieder) zu sehen, offen zu werden f\u00fcr Neues, Ungewohntes, Unbekanntes?&nbsp;&ndash; Abgesehen vom Willen das Wahrnehmungsfeld zu erweitern, kann l\u00e4ngeres Fasten eine gewisse Empf\u00e4nglichkeit wieder herstellen, n\u00e4mlich ein Bilder-Fasten, Film-Fasten, Fernseh-Fasten und nat\u00fcrlich vor allem ein Werbungs-Fasten. Wie schwer aber ist vor allem letzteres f\u00fcr einen Stadtmenschen, der tagaus, tagein beworben wird, so bald er auch nur auf die Stra\u00dfe tritt oder seinen Briefkasten leert!&nbsp;&ndash;<br \/>\n<em>\u201eDas ist keine Pfeife\u201d<\/em> schrieb Ren\u00e9 Magritte auf sein Gem\u00e4lde <em>\u201eDer Verrat der Bilder\u201d.<\/em> Irritierend f\u00fcr jemanden, der st\u00e4ndig wissen will, was dieses oder jenes darstelle oder bedeute, um mit Hilfe dieser sp\u00e4ter schon bekannten Erkl\u00e4rungen zu verstehen, was er dann sehen wird. Er kann auf diese Weise allerdings nach und nach durch die Autorit\u00e4t, die er den unz\u00e4hligen fr\u00fcheren Beschreibungen verleiht, seiner gegenw\u00e4rtigen Empfindung gar nicht mehr trauen. Selbst wenn er mit seinem Wissenwollen aufh\u00f6rte, werden ihm Erkl\u00e4rungen tagt\u00e4glich auch ungefragt aufgedr\u00e4ngt, vorgeblich damit er \u201einformiert\u201d, in Wahrheit aber eher <em>uniformiert<\/em> ist.&nbsp;&ndash;<br \/>\n<em>\u201eWas ist denn das?\u201d<\/em> lautet die h\u00e4ufigste Reaktion auf eine abstrakte Fotografie, die ich erlebe. Was soll man darauf antworten, ohne das Bild zu beleidigen? Es <em>stellt<\/em> nichts <em>dar;<\/em> was also k\u00f6nnte es sein, wenn nicht das, was es ist? Ein abstraktes Bild solle wie ein Blumenbeet sein, \u00fcber dessen Bedeutung sich gl\u00fccklicherweise niemand den Kopf zerbreche, meinte einst Jackson Pollock.<br \/>\nWer das so genannte Abstrakte nicht einigerma\u00dfen unvoreingenommen betrachten kann, kann Konkretem ebenfalls nicht gerecht werden, denn der \u00dcbergang von einem zum anderen ist flie\u00dfend. Wer zu bereitwillig das Wahrnehmen des Symbols mit dem Erlebnis des Symbolisierten gleichsetzt, der bezieht sich leicht ebenso zu sehr auf alte Eindr\u00fccke und vernachl\u00e4ssigt die Gegenwart. Beides, Symbol und Symbolisiertes, Gegenwart und Erinnerung, <em>\u201eist [zwar] unterschiedliche Manifestation ein und derselben Energie oder ein und desselben Geistes\u201d (Susan Sontag \u00fcber Wahrnehmung von Fotografien in \u201eprimitiven Gesellschaften\u201d; ich meine, das gilt allgemein f\u00fcr Symbole und zwar in jeder Gesellschaft),<\/em> und man darf das auch nicht \u00fcbersehen. Aber zu negieren, dass es sich um <em>unterschiedliche<\/em> Verk\u00f6rperungen handelt, ist verh\u00e4ngnisvoll. Das Verst\u00e4ndnis ist dann vorherbestimmt und abgestanden, oft genug tats\u00e4chlich unpassend und irreleitend f\u00fcr die aktuelle Wahrnehmung. So hat man Augen, die nicht sehen, einen Verstand, der nicht versteht, und ein Bed\u00fcrfnis nach Fachleuten, die einem erkl\u00e4ren, was und wie man richtig wahrzunehmen hat.<br \/>\n<a class=\"np\" href=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_p5010694.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_p5010694-513x384.jpg\" alt=\"Subhash: \u201e\u2026&nbsp;das Konkrete ist abstrakt. (Prag, Hauptbahnhof)\u201d\" title=\"Anklicken zum Vergr\u00f6\u00dfern!\" width=\"513\" height=\"384\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2578\" srcset=\"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_p5010694-513x384.jpg 513w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_p5010694-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/verglasung_p5010694.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 513px) 100vw, 513px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"bu\">\u2026&nbsp;das Konkrete ist abstrakt. (Prag, Hauptbahnhof)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Abstrakte ist konkret&nbsp;&hellip; Anscheinend ist die Gewohnheit, von einer Fotografie zu erwarten, dass sie auf etwas Anderes, Gegenst\u00e4ndliches verweist, heutzutage fast \u00fcberm\u00e4chtig. \u201eDie Leute wollen eben etwas sehen\u201d, lautete die entschuldigende Antwort auf eine meiner h\u00e4ufigen Klagen \u00fcber die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/augen-nicht-sehen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_wp_rev_ctl_limit":""},"categories":[13,4],"tags":[15,84,96,112,130,133,134,145],"class_list":["post-2631","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-eigene-bilder","category-philosophie","tag-abstraktion","tag-monochromie","tag-philosophie","tag-schwarzweiss","tag-theorie","tag-tonung","tag-tschechien","tag-wirklichkeit"],"aioseo_notices":[],"views":7962,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2631\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}