{"id":1919,"date":"2012-03-20T05:14:01","date_gmt":"2012-03-20T04:14:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/?p=1919"},"modified":"2012-03-20T05:14:01","modified_gmt":"2012-03-20T04:14:01","slug":"spielraum-zurueck-erobern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/spielraum-zurueck-erobern\/","title":{"rendered":"Spielraum zur\u00fcck erobern"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<div class=\"fl_img_1\"><a href=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/klaus_petsch_ohne_titel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/klaus_petsch_ohne_titel-150x150.jpg\" alt=\"Klaus Petsch: Ohne Titel\" title=\"Anklicken zum Vergr\u00f6\u00dfern\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Klaus Petsch: Ohne Titel<\/p>\n<\/div>\n<blockquote  style=\"margin-left: 170px;\">\n<p>Es gibt Tage, da empfindet man die einfache Tatsache des Sehens wie ein wahres Gl\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"r\">(Robert Doisneau)&nbsp;<sup style=\"display: none;\"><a href=\"#fnl\">1)<\/a><\/sup><\/p>\n<\/blockquote>\n<p >Das Sehen ist sicher eines der entscheidenden Dinge, ein Bild hervorzubringen. Vorher ist das Sehen-Lernen wichtig.<!--more--><\/p>\n<p class=\"clear\" style=\"margin-top: 2em;\">Ein Fotograf sagte einmal zu mir:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Knipsen kannst du schnell lernen. Fotografieren zu lernen, dauert ein wenig l\u00e4nger. Am l\u00e4ngsten wird es dauern, sehen zu lernen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p id=\"a_alc\">Bewusst habe ich von einem \u201eBild\u201d geschrieben, nicht von einer Fotografie. Denn das, was in meinen Augen das Abstrakte in der Fotografie ausmacht, ist, dass wir das Abbild, also die dokumentarische Fotografie verlassen und zum Bild kommen.<br \/>\nAbstrakte Bilder mit Mitteln der Fotografie zu schaffen, ist ja nichts wirklich Neues. Bereits 1916 wurde der Begriff der \u201eAbstrakten Fotografie\u201d von Alvin Langdon Coburn eingef\u00fchrt.&nbsp;<sup><a href=\"#fnl\">2)<\/a>&nbsp;<a href=\"#fnl\">3)<\/a><\/sup> Bis heute haben sich mit diesem Thema zahlreiche K\u00fcnstler besch\u00e4ftigt&nbsp;&ndash; was ich hier nicht weiter vertiefen m\u00f6chte.<\/p>\n<p id=\"a_ikon\">Michael Koehler schreibt:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Abstrakte Fotografie besitzt eine ungebrochene Tradition. Seit 1917 hat es zu jeder Zeit K\u00fcnstler gegeben, die sie praktizierten. Wenn sich heute K\u00fcnstler mit der Idee des ungegenst\u00e4ndlichen Licht-Bilds auseinandersetzen, ist das nichts prinzipiell Neues. Eher der Versuch, den kreativen Spielraum zur\u00fcckzuerobern, den Fotokunst zu Zeiten des \u00bbNeuen Sehens\u00ab Anfang der 20er besa\u00df.&nbsp;<sup><a href=\"#fnl\">4)<\/a><\/sup><\/p><\/blockquote>\n<p id=\"trag\">Es waren nicht immer Fotografen, sondern auch (und insbesondere) die sogenannten \u201ebildenden K\u00fcnstler\u201d, die sich des Themas angenommen haben. Warum schreibe ich das?&nbsp;&ndash; Noch immer wird zwischen Kunst und Fotokunst unterschieden, eine Teilung, die f\u00fcr mich nicht nachvollziehbar ist. \u201eFotokunst\u201d wird damit eher als Kunst zweiten Grades eingeordnet, dabei sind nur die Arbeitsmittel verschieden. \u00c4hnlich \u00e4u\u00dfern sich Thomas Ruff und Andreas Gursky in einem Interview mit dem Spiegel.&nbsp;<sup><a href=\"#fnl\">5)<\/a><\/sup><br \/>\nWarum besch\u00e4ftige nicht nur ich mich inzwischen mit diesem Thema&nbsp;&ndash; nur aus Langeweile mit der \u201eherk\u00f6mmlichen\u201d Fotografie? Sicher nicht, denn f\u00fcr mich ist sie immer noch die Grundlage f\u00fcr die Entstehung meiner Bilder.<\/p>\n<blockquote id=\"a_gr4\">\n<p>Das Foto ist das perfekteste Bild; es \u00e4ndert sich nicht, es ist absolut, also unabh\u00e4ngig, unbedingt, ohne Stil. Es ist mir deshalb in der Weise, wie es berichtet und was es berichtet, Vorbild.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dies hat Gerhard Richter im Jahre 1964 in einem Interview gesagt, und es widerspricht f\u00fcr mich nicht meiner Ann\u00e4herung an abstrakte Bilder.&nbsp;<sup><a href=\"#fnl\">6)<\/a><\/sup> Man wird mir entgegenhalten, dass ja die fotografischen Rohdaten nahezu beliebig ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen, also das Bild nichts Absolutes hat. Und doch ist es absolut, wie Richter meint, die Grundlage bleibt, ist Vorbild und ist damit trotz m\u00f6glicher Manipulationen letztlich nicht \u00e4nderbar.<br \/>\n<span id=\"a_tzk\">Dies<\/span> ist der entscheidende Unterschied zur Malerei. Hier entsteht das Bild w\u00e4hrend des Schaffensprozesses, es (ver)\u00e4ndert sich laufend, es durchl\u00e4uft damit einen v\u00f6llig anderen Prozess als eine Fotografie, auch wenn sie nach der Aufnahme bearbeitet wird.<\/p>\n<blockquote><p>&hellip; gilt es heute, eine \u00e4sthetische Zone der Unbestimmbarkeit in der Fotografie zu denken und zu besetzen, in der Intention und Technologie, Figuration und Monochromie, Bildinformation und Rauschen ineinanderfallen k\u00f6nnen.&nbsp;<sup><a href=\"#fnl\">7)<\/a><\/sup><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ist das also die Intention, die mich dazu treibt, mich mit abstrakter Fotografie zu besch\u00e4ftigen?&nbsp;&ndash; Teilweise vielleicht ja, was eine gewisse Unbestimmbarkeit, auch der Figuration beinhaltet. Die Nutzung der Technologie hilft mir einfach dabei, meine Unf\u00e4higkeit mich mit den Mitteln der Malerei auszudr\u00fccken zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p id=\"a_oly\">Fotografiert habe ich schon seit meiner fr\u00fchen Jugend, auch die Besch\u00e4ftigung mit Kunst (und auch der abstrakten Kunst) kam fr\u00fch dazu. Die Bekanntschaft mit zahlreichen K\u00fcnstlern hat sicher das \u201eSehen\u201d gesch\u00e4rft und mich dazu verleitet, das Gesehene nach und nach mit meinen Mitteln wiederzugeben.<br \/>\nZun\u00e4chst war es die Suche nach Details, nach Besonderheiten, Strukturen vielleicht. Ein Wochenthema bei oly-e.de, das ich 2008 stellen durfte, hie\u00df \u201eAbstrakt&nbsp;&ndash; mit der Kamera gemalt\u201d.&nbsp;<sup><a href=\"#fnl\">8)<\/a><\/sup> Die Bilder zeigten damals noch eine recht vorsichtige Ann\u00e4herung an das Thema der Abstraktion&nbsp;&ndash; mehr grafisch und vielleicht noch ohne den Mut, gewohnte Wege zu verlassen. Inzwischen sind wir da denke ich um einiges weiter gekommen. Das Werkzeug ist geblieben, wir haben dazugelernt, Freiheiten zu nutzen, die uns das Medium der Fotografie erm\u00f6glicht&nbsp;&ndash; w\u00e4hrend und nach der Aufnahme.<br \/>\nGrenzen werden \u00fcberschritten, auch g\u00fcltige Regeln der Fotografie werden verletzt, Unsch\u00e4rfe durch Bewegung der Kamera und des Objekts, Belichtungsparameter werden ver\u00e4ndert und vieles mehr wird durchaus auch durch Experimente erforscht.<br \/>\nDer von mir sehr gesch\u00e4tzte K\u00fcnstler Wolfgang Tilllmans geht noch einen Schritt weiter. Er hat inzwischen die Kamera beiseite gelegt und arbeitet direkt in der Dunkelkammer mit Fotopapieren.  Lichtmischungen und Chemikalien ergeben das Bild.<\/p>\n<p id=\"a_til\">Tillmans schreibt:<\/p>\n<blockquote>\n<p>&hellip; Ob dies mit oder ohne Kamera geschieht, ist f\u00fcr mich letztlich nicht relevant, weil alle meine Werke einem Gef\u00fchl von Neugierde, Recherche und Experimentieren entspringen.<br \/>\n&hellip;&nbsp;Mir ist aufgefallen, dass jedes Mal, wenn das Werk abstrakt ist, automatisch der Begriff \u201eExperimentieren\u201c auftaucht. Doch f\u00fcr mich ist jede Portr\u00e4tsitzung und jede Stadtlandschaft ein genauso gro\u00dfes Experiment.&nbsp;<sup><a href=\"#fnl\">9)<\/a><\/sup><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ist dieses Verfahren noch als Fotografie zu werten?&nbsp;&ndash;<br \/>\nJa. Aus dem griechischen Ursprung <span lang=\"el\">\u03c6\u03c9\u03c4\u03cc\u03c2 \u03b3\u03c1\u03ac\u03c6\u03b5\u03b9\u03bd,<\/span> (mit) Licht zeichnen, ergibt sich dies.<br \/>\nZu den abstrakten Bildern in meiner Online-Galerie habe ich folgendes geschrieben:<\/p>\n<blockquote id=\"a_kpe\">\n<p>abstrakte bilder.<br \/>\nversuche, die grenzen der gewohnten fotografie zu \u00fcberschreiten.<br \/>\ndas werkzeug ist gleichgeblieben&nbsp;&ndash; kamera, objektiv und heute auch der computer.<br \/>\ndie umsetzung jedoch weigert sich die realit\u00e4t dokumentarisch abzubilden.<br \/>\noder doch?<br \/>\n<span id=\"fnl\">farben,<\/span> muster, bewegungen, ein fl\u00fcchtiger eindruck sind ebenso wirklichkeit. die gedanken im kopf hinter der kamera lassen das gewohnte abbild jedoch zum bild werden.&nbsp;<sup><a href=\"#fnl\">10)<\/a><\/sup><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"gastcredits\">Klaus Petsch, Jahrgang 1952 und immer noch ein wenig neugierig.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.klauspetsch.net\">www.klauspetsch.net<\/a><\/p>\n<div class=\"fu\">\n<hr \/>\n<p>1) Robert Doisneau <a href=\"http:\/\/www.robert-doisneau.com\/fr\/\">www.robert-doisneau.com\/fr\/<\/a>&nbsp;<a href=\"#post-1919\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n2) <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alvin_Langdon_Coburn\">de.wikipedia.org\/wiki\/Alvin_Langdon_Coburn<\/a>&nbsp;<a href=\"#a_alc\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n3) <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Abstrakte_Fotografie\">de.wikipedia.org\/wiki\/Abstrakte_Fotografie<\/a>&nbsp;<a href=\"#a_alc\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n4) Das ungegenst\u00e4ndliche Lichtbild gestern und heute Ikon-Magazin 1-2004, <a href=\"http:\/\/www.ikon-magazin.de\/specials\/abstraktion\/content\/menu.htm\">www.ikon-magazin.de\/specials\/abstraktion\/content\/menu.htm<\/a>&nbsp;<a href=\"#a_ikon\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n5) Spiegel-Gespr\u00e4ch \u201eDas mit der Wahrheit ist Quatsch\u201d, Der Spiegel 11\/12.03.12, S.&nbsp;142ff&nbsp;<a href=\"#a_trag\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n6) Notizen 1964\u20131965, Gerhard Richter. Text 1961 bis 2007. Schriften, Interviews, Briefe. Verlag der Buchhandlung Walther K\u00f6nig, K\u00f6ln 2008, S.&nbsp;30&nbsp;<a href=\"#a_gr4\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n7) <a href=\"http:\/\/www.textezurkunst.de\/editionen\/flight-astro-ii-2010\/\">www.textezurkunst.de\/editionen\/flight-astro-ii-2010\/<\/a><br \/>\nTexte zur Kunst Editionen Heft Nr. 77, &bdquo;Malerei&rdquo;<br \/>\nTexte zur Kunst Verlag GmbH &amp; Co. KG Berlin&nbsp;<a href=\"#a_tzk\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n8) <a href=\"http:\/\/wochenthema.oly-e.de\/index.php?path=2008%2F2008-39%2B40%20Abstrakt%20-%20mit%20der%20Kamera%20gemalt%20-%20Thema%20Klaus%20Petsch\">wochenthema.oly-e.de\/index.php?path=2008%2F2008-39%2B40%20Abstrakt<br \/>\n%20-%20mit%20der%20Kamera%20gemalt%20-%20Thema%20Klaus%20Petsch<\/a><a href=\"#a_oly\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n9) Wolfgang Tillmans Abstract Pictures Hatje Cantz, Ostfildern 2011<a href=\"#a_til\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><br \/>\n10) <a href=\"http:\/\/www.gallery.klauspetsch.net\/main.php?g2_itemId=23410\">www.gallery.klauspetsch.net\/main.php?g2_itemId=23410<\/a><a href=\"#a_kpe\" title=\"zur\u00fcck nach oben\">&uarr;<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klaus Petsch: Ohne Titel Es gibt Tage, da empfindet man die einfache Tatsache des Sehens wie ein wahres Gl\u00fcck. (Robert Doisneau)&nbsp;1) Das Sehen ist sicher eines der entscheidenden Dinge, ein Bild hervorzubringen. Vorher ist das Sehen-Lernen wichtig.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_wp_rev_ctl_limit":""},"categories":[4],"tags":[15,42,61,67,96,130,138,145],"class_list":["post-1919","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie","tag-abstraktion","tag-experiment","tag-konzept","tag-kunst","tag-philosophie","tag-theorie","tag-wahrheit","tag-wirklichkeit"],"aioseo_notices":[],"views":13445,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1919"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1919\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}