{"id":1764,"date":"2012-03-05T05:19:46","date_gmt":"2012-03-05T04:19:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/?p=1764"},"modified":"2012-03-05T05:19:46","modified_gmt":"2012-03-05T04:19:46","slug":"der-engel-des-zufalls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.subhash.at\/fotoblog\/der-engel-des-zufalls\/","title":{"rendered":"Der Engel des Zufalls"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<div class=\"fl_img_1\"><a href=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/engel_des_zufalls.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/fotoblog\/wp-content\/uploads\/engel_des_zufalls-150x98.jpg\" alt=\"Klaus Wagenh\u00e4user: \u201eDer Engel des Zufalls\u201d\" width=\"150\" height=\"98\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Engel des Zufalls<\/p>\n<\/div>\n<p >Wie alle Abbildungen ist auch das Foto immer ein Hinweis, ein Fingerzeig \u201eSchau mal das da, schau mal hier\u201d. Im Mittelalter war Bildung einer elit\u00e4ren Klasse vorbehalten: dem Klerus und dem Adel. Dem Volk, das damals bis auf wenige Ausnahmen weder lesen noch schreiben konnte, erkl\u00e4rte man die Welt und vor allen Dingen Gott \u00fcber Bilder. Selbstverst\u00e4ndlich streng im Sinne des Erz\u00e4hlers, wurde eine Manipulation der Betrachter vorgenommen, was damals nicht sehr schwer war.<!--more--><\/p>\n<p id=\"a_awrb\">Wenn die Fotografie also eine Hinweis-Sprache ist, auf was verweisen fotografische Bilder dann eigentlich? Sie verweisen auf eine abgebildete Wirklichkeit. Der Buddhismus spricht, um die Wirklichkeit zu bezeichnen, von <em>sunya<\/em> dem Leeren, oder von <em>tathata,<\/em> dem so und nicht anders Beschaffenen, dem bestimmten Einen. Im Sanskrit bedeutet <em>tat<\/em> dieses, und das ist auch die Geste eines kleinen Kindes das sagt: \u201eTa da, Das da.\u201d Die Fotografie ist eine Verl\u00e4ngerung dieser Geste, die aber die kindliche Unschuld verloren hat.&nbsp;<sup><a href=\"#awrb\">1)<\/a><\/sup> Sie wird beeinflusst durch die Konditionierung des Fotografierenden und die technischen M\u00f6glichkeiten. So gesehen ist die jede Fotografie, sei sie auch noch so durchdacht, ein reines Zufallsprodukt, da ja auch die Absicht des Fotografen nur scheinbar <em>seine<\/em> Absicht ist. Somit ist auch die Wirklichkeit, die das Foto zeigt, nur eine zuf\u00e4llige. Es ist die scheinbare Wirklichkeit des Fotografierenden.<br \/>\nDie abstrakte Fotografie m\u00f6chte diese Scheinwirklichkeiten aufl\u00f6sen. Sie ist ein Versuch dem Betrachter eine m\u00f6glichst freie Interpretation anzubieten, in dem man entweder den Bild-Raum aufl\u00f6st, oder durch eine statische Abstraktion die \u00fcblichen Erkennungsmuster ins Leere bzw. ins Nichts laufen l\u00e4sst. Kann sich ein Fotograf und selbstverst\u00e4ndlich nat\u00fcrlich auch ein Betrachter darauf einlassen, besteht die M\u00f6glichkeit zur\u00fcckzufinden zu einem schlichten unschuldigen Wahrnehmen. Ohne Wertung, reines Sehen. Sich ber\u00fchren lassen und nicht wissen was da ber\u00fchrt, da es v\u00f6llig unerheblich ist. Es gibt in der Geschichte der Fotografie viele Beispiele f\u00fcr gelungene Versuche durch Abstrahierung erstaunliche Bilder zu schaffen. Alfred Stieglitz mit seinen \u00c4quivalents, Minor White und Harry Callahan zum Beispiel. In Deutschland z\u00e4hle ich auch Robert H\u00e4usser dazu, der durch harte Kontraste sehr eindringliche Bilder geschaffen hat ohne die gegenst\u00e4ndliche Ebene zu verlassen.<br \/>\nWir sehen also, es gibt zwei M\u00f6glichkeiten der Abstraktion. Die eine ist ein sehr konzentriertes und konsequentes Sehen, die andere ist die Integration einer unkontrollierten Komponente w\u00e4hrend der Aufnahme. In beiden F\u00e4llen hofft der Fotograf auf den \u201eEngel des Zufalls\u201d: Er ist der eigentliche Bildschaffende. Denn auch die erw\u00e4hnte erste M\u00f6glichkeit hat Ihre unkontrollierbare Komponente, n\u00e4mlich das Auffinden des Motivs. Und da ist immer die Hoffnung, es zu finden, zu sehen. Heraklit hat es so ausgedr\u00fcckt: Wenn ein Mensch keine Hoffnung hat, wird er das Unverhoffte nicht finden, denn dorthin f\u00fchren weder Spur noch Pfad.<\/p>\n<blockquote id=\"awrb\"><p>Ich glaube, beinahe jeder K\u00fcnstler ist st\u00e4ndig bem\u00fcht, die Grenze zum Nichts zu erreichen\u00a0\u2013 den Punkt an dem man nicht mehr weitergehen kann.<\/p>\n<p class=\"credits\">(Harry Callahan)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"r\" style=\"margin-top: 2.5em\"><em>Klaus Wagenh\u00e4user schreibt in seinem Blog <a href=\"\/chCounter070225\/refer.php?id=129\">\u201eDieses und Jenes\u201d<\/a><br \/>\n\u00fcber Fotografie, Food und Fahrrad&nbsp;\u2026<\/em><\/p>\n<div class=\"fu\">\n<hr \/>\n<p>1) Alan Watts, Roland Barthes&nbsp;<a title=\"Zur\u00fcck nach oben\" href=\"#a_awrb\">\u2191<\/a>\n<\/div>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Engel des Zufalls Wie alle Abbildungen ist auch das Foto immer ein Hinweis, ein Fingerzeig \u201eSchau mal das da, schau mal hier\u201d. 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