Wie man durch HDR reich wird

Hütte als HDR-Bonbon

Typisches
Bonbon-Tone Mapping
(aber es geht auch naturalistischer)

Ein Foto ist eine magere Angelegenheit. Eine Zweihundertfünfzigstel Sekunde meines Lebens. Flach in zwei Dimensionen. Mit einem erbärmlichen Kontrastumfang. Riecht nicht, schmeckt nicht, klingt nicht und ist auch mager in den haptischen Qualitäten – verglichen mit meiner Katze. Unbeweglich, starr und tot.

Nun ja. Ich mag es trotzdem Fotos zu machen. Nicht nur wegen der Ergebnisse – die sind manchmal trotz allem eine Freude – sondern weil ich anders sehe, wenn ich fotografiere. Ich habe durch die Fotografie eine andere Sichtweise erlernt, die Welt präsentiert sich mir anders, und das bereichert mein Leben.

Es ist eine dichtere Sehweise, eine konzentriertere, auch liebevollere und interessantere. Ich fotografiere nun bereits seit vielen Jahren, ein Dreiviertel meiner bisherigen Lebensjahre sind auch fotografische: Ganz so neu ist er mir nicht, der fotografische Blick. Aber doch noch immer erfrischender als die alltägliche Ansicht der Ödnis der neoliberalen Ware Welt.

Die Sache mit dem erbärmlichen Kontrastumfang; ich verrate Ihnen etwas: Das Auge ist, wenn man den Quellen trauen darf, noch schlimmer. Ja, wir brauchen uns gar nicht zu beklagen, die moderne Digitalkamera kann einen Helligkeits-Unterschied von 1:500 bis 1:1000 aufzeichnen, das Auge (auf einen Blick) angeblich nur 1:100. Trotzdem haben wir immer wieder das Problem mit den ausgefressenen Lichtern und zugegangenen Schatten beim Fotografieren und beim Sehen nicht.

Das menschliche Sehen verwendet nämlich einen Trick. Es wird ständig hin- und hergesprungen beim Sehen und die Blende (Iris) dauernd verstellt und so kommt man locker auf Werte von 1:10.000. Innerhalb langer Zeit (einer halbe Stunde) wird sogar 1:1.000.000 behauptet.

Nun, so kann man sich auch bei der Kamera behelfen. Faule Knipser*innen bleiben einmal ausgeschlossen, aber wer sich nicht für etwas Arbeit zu schade ist, macht HDR-Bilder um den Kontrastumfang seiner Fotos zu erhöhen. Leider können Monitore heutzutage erst wiederum nur 1:1.000 darstellen (und Prints gar nur 1:100). Das bedeutet, wir müssen unsere High Dynamik Range-Aufnahmen erst wieder runterschrauben, aber immerhin ist erst einmal viel, viel mehr da, und das wird eben dann im kleinen, zur Verfügung stehenden Rahmen abgebildet („Tonemapping”).

Cover „Egotrips mit Digicam”

Im Roman „Egotrips mit Digicam” meines Fotofreundes Jürgen von Esenwein wird die HDR-Fotografie nicht zu unrecht mit Erweiterung und Bereicherung durch verschiedene Aspekte aus des Lebens Fülle verglichen. So wie wir verschieden belichtete Bilder aufnehmen und zu einem verschmelzen, werden bei einer offenen Lebensweise verschiedene Erlebnisse zu einer der „Gesamtschau” näheren Erfahrung verschmolzen, meint sein alter Ego Hülferich.

HDR macht reicher, sag ich doch!

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