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Warum Barrierefreiheit
eine Illusion ist (aber Barrierearmut allen gut tut)

von Subhash <http://www.subhash.at> im Mai 2006

Barrierefreiheit gibt es nicht

Weder auf der Straße, noch in Innenräumen, noch im Internet gibt es Barrierefreiheit für jeden Menschen. Das ist einfach unmöglich. Um von A nach B zu kommen, muss man ein gewisses Grundwissen haben und bestimmte Fähigkeiten. Motorische, kognitive, visuelle oder auditive.

Um sich im Internet fortzubewegen, kann es aber genügen, wenn Ihre motorischen Fähigkeiten darin bestehen, dem Rechner – und der Website – sagen zu können, was sie tun sollen. Sie müssen nicht sehen können, Sie müssen nicht lesen können, es kann genügen, wenn Sie sprechen und hören (Screenreader). Wenn Sie auch nicht hören können, dann können Sie vielleicht tasten und so eine Braillezeile lesen. Dazu brauchen Sie aber die Fähigkeit und die Geduld, diese Schrift erlernen zu können. Ohne Ihre Fähigkeiten geht es eben nicht. Und die Fähigkeiten mancher Menschen reichen einfach nicht aus, sich im Internet zu bewegen, gleichgütig wie sehr man sich um Barrierefreiheit bemüht hat. Barrierefreiheit für alle kann es gar nicht geben. Barrierefreies Webdesign im strengen Sinn ist unmöglich.

Das Gesetz verlangt es trotzdem

Nach den Pionieren Australien und Amerika haben in den letzten Jahren u. a. Großbritannien, die Schweiz und Deutschland gesetzliche Vorschriften erlassen. Auch in Österreich gibt es eine Reihe von Gesetzen die dieses Thema betreffen, so z. B. das neue Behindertengleichstellungsgesetz, das in in § 6 Abs. 5 fordert, dass auch neue Internetangebote, gleichgültig ob von Behörden, Unternehmen, Vereinen oder Privaten, „für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.” Anderes wäre diskriminierend. Das was wir hier „barrierearm” nennen, heißt dort etwas übertrieben und vielleicht auch entmutigend „barrierefrei”.

Barrierearmut hilft allen Besuchern

Dass eine Website nie für alle Menschen problemlos zugänglich sein wird, soll kein Grund sein, unnötige Hürden aufzurichten!

Folgende Zahlen liegen mir für Großbritannien vor (und wesentlich anders wird es für kein mitteleuropäisches Land sein):

  • Es gibt 8,6 Millionen registrierte Menschen mit Behinderung in Großbritannien; das sind 14% der Bevölkerung (Quelle: DRC).
  • Einer von 12 Männern und eine von 200 Frauen haben eine Form von Farbenblindheit, zusammen sind das 9% der Bevölkerung (Quelle: Institution of Electrical Engineers).
  • Zwei Millionen Einwohner haben Sehprobleme – das sind 4% der Bevölkerung (Quelle: RNIB).
  • Es gibt 12 Millionen Menschen, die 60 Jahre oder älter sind – etwa 21% der Bevölkerung (Quelle: Regierung Großbritanniens).

Obwohl es Überlappungen geben wird, wären das zusammengezählt 48% der Bevölkerung, die irgendeine Form von Behinderung oder Beeinträchtigung haben. Nicht gezählt diejenigen, die vorübergehend eingeschränkt sind, beispielsweise durch einen Sportunfall oder eine Sehnenscheidenentzündung (etwa durch das Bedienen einer Maus). Barrierearmut ist kein Mehraufwand für eine verschwindende Minderheit von Usern! Barrierearmes Webdesign ist die Grundlage für eine gute Bedienbarkeit und schnelles Navigieren für jeden User.

(zitiert nach Trenton Moss, 2004)

Wie macht man seinen Internetauftritt nun möglichst gut zugänglich?

Damit Menschen mit Behinderung mit dem Internet zurecht kommen, muss einE WebdesignerIn die Seite, die Sie aufrufen, so geschrieben haben, dass Sie dadurch nicht behindert werden. Das ist nicht so schwer, aber er oder sie muss sich dafür interessieren und in verschiedene Bedürfnisse verschiedener Menschen einfühlen können.

Ein guter Anfang ist das Programmieren nach Webstandards. Damit ermöglichen Sie alternativen Ausgabegeräten eine sinnvolle Interpretation des Inhaltes. Dann gibt es eine Reihe von Tipps, die eine Site barrierearm machen können, beispielsweise die von WAI Austria oder die Quick Tipps der WAI. (Anmerkung: Die Quick Tipps sind inzwischen anscheinend leider aus dem Netz verschwunden.)

Hier finden Sie die allerwichtigsten Punkte.

Die wichtigsten Punkte

  1. Alle Nichttext-Elemente brauchen eine Textbeschreibung.
  2. Alle durch Farbe übermittelten Informationen müssen auch ohne Farbe wahrgenommen werden können.
  3. Sprachänderungen in einem Text sind zu kennzeichnen.
  4. Dokumente müssen auch ohne Style-Sheet gelesen werden können.
  5. Alternativen für dynamische Inhalte müssen aktualisiert werden, wenn der dynamische Inhalt aktualisiert wird.
  6. Kein Bildschirmflackern, keine blinkenden Elemente.
  7. Verwenden Sie die klarste Sprache, die für den Inhalt angemessen ist.
  8. Kennzeichnen Sie Spalten- und Zeilenüberschriften in Datentabellen. (Layouttabellen verwenden Sie besser überhaupt nicht.)
  9. Benennen Sie jeden Frame, damit er identifiziert und navigiert werden kann. (Besser Sie vermeiden Frames überhaupt. Sie sind fast immer unnötig und können durch CSS-Layouts ersetzt werden.)
  10. Achten Sie darauf, dass Seiten auch angezeigt werden, wenn Javascript oder andere Programmierungen ausgeschaltet sind oder gar nicht unterstützt werden.
  11. Bieten Sie Tonbeschreibungen für die wichtigen visuellen Informationen in Multimedia-Präsentationen an.
  12. Wenn nach besten Wissen Barrierearmut nicht erreicht werden kann, bieten Sie einen Link zu einer alternativen Seite an, die W3C-Technologien verwendet, zugänglich ist, gleichwertige Informationen und Funktionen enthält und ebenso aktualisiert wird.

Wenn Sie einen dieser Punkte nicht beachten, ist mindestens eine Benutzergruppe mit einer unüberwindbaren Barriere konfrontiert und kann daher Ihre Informationen nicht nutzen!

Stören diese Maßnahmen nicht andere Benutzer?

Nein, ganz im Gegenteil. Von schlankem Code und semantisch richtiger Auszeichnung eines Textes profitieren alle User. Der weit verbreitete Internet Explorer kann Text nicht vergrößern, wenn man ihm dabei nicht hilft. Und wer hätte nicht schon einmal zu kleinen Text gefunden? Auch Suchmaschinen danken es Ihnen, wenn Sie Ihre Website möglichst barrierefrei gehalten haben. Schließlich ist Google der größte blinde Benutzer des Netzes.

 

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