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Wirtschaft gut – ein nicht abgesendeter offener Brief

von Subhash <http://www.subhash.at> im Frühjahr '06, wiederaufgefunden und überarbeitet im September '07

Ausmisten

Beim Ausmisten eines Papierstapels finde ich heute am Feiertag*) eine alte Ausgabe der Wiener Stadtzeitung „Augustin” (# 176 vom März dieses Jahres**)), in der berichtet wird, dass die WKO in Gestalt ihres Präsidenten Dr. Leitl einem Satiremagazin rechtliche Schritte angedroht hat unter anderem deswegen, weil es den Slogan der WKO „Geht's der Wirtschaft gut …” verwendet hat.
Nun ist mir schon klar, dass man diesen Slogan verteidigen muss, steht doch sein Wahrheitsgehalt auf recht schwachen Beinen. Als Mitglied dieser WKO ärgert mich schon lange, wie meine Vertretung Wahrheit interpretiert.

Welche „Wirtschaft“ eigentlich?

Wen meinen Sie denn mit dem Begriff „Wirtschaft”, Herr Dr. Leitl? Ich kann ja nicht mitgemeint sein, denn ich profitiere von Ihren Anstrengungen um das Wohlergehen „der Wirtschaft” nicht. –

Fast 50% der Postämter haben in den letzten 5 Jahren zugesperrt. Jetzt macht die Post-AG um 400% mehr Gewinn. Wem geht's dadurch gut? Den Kunden? – Nicht einmal, wenn sie Post-Aktien besitzen. Den 20% entlassenen Postbediensteten? – Doch eher nicht.
Ja, ich weiß, man sagt, das Schlagobers sei billiger geworden seit dem EU-Beitritt. Gut so, denn die realen Einkommen sind seit 1992 nicht mehr gestiegen.

… geht's uns allen gut?

Wem geht's gut, wenn Unternehmen keine Steuern zahlen? Wem geht's gut, wenn immer höhere Profite auf Kosten von Angestellten gemacht werden? – „Der” Wirtschaft?

420.000 Menschen in Österreich sind von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen.

Nein danke, zu dieser Wirtschaft möchte ich auch als Unternehmer nicht gehöhren. Für sie und mit ihr will ich nicht arbeiten. Eine Wirtschaftskammer, die so ein Wirtschaften unterstützt, kann mir gestohlen bleiben. „Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut”: Das ist doch einfach eine, noch dazu plumpe, Lüge …

Interessensvertretung

Gerade trifft ein Zahlschein für meine Kammerumlage ein. Ich habe keine Lust ihn zu bezahlen. Kann ich das Geld nicht einer Interessensvertretung zukommen lassen, die meine Interessen vertritt? Muss ich Hrn. Dr. Leitl den dummen Slogan, ja sogar eine Strafandrohung mitfinanzieren? –
Was geschieht eigentlich, wenn ein Mitglied seinen Beitrag nicht bezahlt? Dem geht's dann auch etwas weniger gut, vermute ich …

*) Christi Himmelfahrt 2006
**) gemeint ist das Jahr 2006

Quellen und Information:

siehe auch:

Brief an die WKO

  • Offener Brief zur Politik der WKO anlässlich der Vorschreibung der Grundumlage (Juni 2008, PDF, 160 KB)

 

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