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Geldfluch in Schilda

von Gerhard Margreiter

http://members.eunet.at/gerhard.margreiter
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors


Wie die Schildbürger 50 Jahre lang sehr fleißig
und zu ihrem großen Schaden gearbeitet haben
(ein Kreditgeldschöpfungsmärchen)

Die Bürger von Schilda verließen ihre Stadt nur sehr sehr selten. Aber einmal war der Stadtschreiber in die Hauptstadt gereist und als er zurückkam, schilderte er allen die Pracht und die Herrlichkeit der großen Stadt und er wurde nicht müde, davon zu erzählen. Und er zeigte etwas vor, was in der Stadt Schilda noch nie jemand gesehen hatte: ein Geldstück. Er sagte immer wieder, daß dieses Geld ein Zauber wäre und, wenn man genug davon besäße, dann würde die Stadt dadurch schön und prächtig werden.

Die Bürger von Schilda hätten nun auch gerne eine schöne, prachtvolle Stadt gehabt. So fragten sie ihre Ratsherren, wie sie diesen Zauber „Geld“ erlangen könnten. Da diese es aber auch nicht wußten, schickten sie den Schreiber ein anders Mal in die große Stadt und über eine Weile kam er mit einem phantastisch gekleideten Mann zurück. Niemand fiel auf, daß dieser etwas hinkte. Er hatte 1000 glänzende Geldstücke in seiner Truhe und machte dem Großen Rat ein Angebot. Er würde der Stadt die 1000 Geldstücke leihen, wenn man ihm erstens als Sicherheit für seinen Zauber zwei alte Häuser anbieten und ihm zweitens jedes Jahr 100 Geldstücke als Zinsen für seine Großherzigkeit geben würde. Sonst wolle er nichts.

Der Große Rat – gedrängt von den Bürgern – dachte nicht lange nach und stimmte zu. Ein Vertrag wurde unterschrieben und die 1000 Geldstücke wurden genommen. Der Große Rat gab nun dieses Geld für den Bau eines prachtvollen Ratshauses aus und alle hatten einen Verdienst und waren zufrieden. Die Geldstücke liefen auch bald in der Stadt hin und her, daß es eine Freude hatte, und auch die Häuser der Bürger wurden prächtiger und schöner gebaut. Das neue Zaubermittel hatte wirklich große Kraft und jeder konnte es sehen. Schnell war ein Jahr um, und die ersten 100 Geldstücke mußten dem fremden Mann als Zinsen übergeben werden. Um sie zu bekommen, führte der Große Rat eine Abgabe ein. Die Bürger sahen ein, daß so ein Zauber etwas kostet, es wurden 100 Geldstücke gesammelt und dem Boten des phantastisch gekleideten Fremden übergeben. Jetzt waren nur mehr 900 Geldstücke in der Stadt.

Dasselbe geschah am Ende des zweiten, des dritten und auch des vierten Jahres. Aber mit jedem Jahr ließ der Kraft des neuen Zaubers etwas nach. Manche Bürger hatten ihre Geldstücke inzwischen in die Truhen gesperrt. Es waren jetzt nur mehr 600 Geldstücke in Schilda und auch die wurden nur mehr zaghaft ausgegeben und das Einsammeln der Zinsabgaben wurde immer schwieriger. Die Stadt wurde nicht mehr schöner und die Bürger begannen gegen die Ratsherren zu murren. Im fünften Jahr wurde es den Ratsherren schon sehr bang. Sie bekamen es mit der Angst vor dem Zorn ihrer Bürger zu tun und so sandten sie den Stadtschreiber zum fremden reichen Mann, um neuerlich um Geld zu bitten.

Dieser meinte, er hätte von dem früher geliehenen Gelde noch gar nichts zurückbekommen und er verliere die Hoffnung, es jemals wieder zu sehen. Er müsse also jetzt zumindestens eines der beiden Häuser anstelle der ersten 500 Geldstücke bekommen und das zweite in fünf Jahren – wenn der Rest dann nicht zurückgegeben sei. Unter dieser Bedingung würde er – großherzigerweise – wiederum 1000 Geldstücke leihen. Er verlangte auch dieses Mal 100 Geldstücke Zinsen für jedes Jahr und als Sicherheit das neue prächtige Ratshaus. Die noch nicht bezahlten Zinsen für das fünfte Jahr wolle er gleich behalten.

Was blieb dem Großen Rat anderes übrig als zuzustimmen. Er bekam 900 neue Geldstücke, mußte dieses Jahr bei seinen Bürgern keine Abgabe eintreiben, aber war verpflichtet in Zukunft 150 Geldstücke Zinsen zu zahlen. Es gab wieder Geld. Ab nun waren 1500 Geldstücke in Schilda. Mit den neu geliehenen 900 baute der Große Rat ein weiters schönes Ratshaus. Wieder waren die Bürger von Schilda zuerst sehr zufriedem mit ihren Ratsherren und waren es nach fünf Jahren nicht mehr. Dann wurde wieder Geld geliehen. Da gehörte schon das zweite Haus und die Hälfte des ersten Ratshauses dem phantastisch gekleideten Fremden. So ging es lange Zeit weiter.

Nach fünfzig Jahren waren es die Söhne und Enkel der einstigen Ratsherren, die feststellten: Es gab gar keinen Platz mehr in der Stadt, auf den sie noch ein neues Ratshaus hätten bauen können. Aber die Schulden waren immer noch nicht besiegt. Da beschloß der unedle Fremde, der nicht alterte, kein neues Geld mehr zu leihen, und begab sich nach Schilda, um mit seinen Dienern die erworbenen alten und neuen Häuser zu bewohnen. Er ließ alle noch vorhandenen Geldstücke, die ja sein Eigentum waren, wieder einsammeln. Der Große Rat vorlor seine Macht und die Bürger von Schilda mußten dem Geldherren von da an wie Sklaven 7 Tage in der Woche dienen.

So hatten die Bürger von Schilda mit viel Fleiß zehn Ratshäuser gebaut. Ihr Fleiß hatte ihnen aber nichts gebracht. Schlimmer noch: sie verloren die Häuser und auch noch ihre Freiheit an den fremden Geldmann. Jener aber hatte die Ratshäuser und all sein Zaubergeld ohne Verlust wieder an sich gebracht. Aber wir wissen ja alle, daß die Bewohner von Schilda sehr dumme Leute waren.

Nie war es einem der Ratsherren oder einem der Bürger in den Sinn gekommen, daß sie sich ihre Zaubergeldstücke auch selbst hätten schlagen können. Metall hätten sie genug gehabt.

Ist dies nun nur ein Märchen oder gibt es vieleicht Beziehungen zur Realität?

Autor: Gerhard Margreiter, Systemanalytiker – 14.3.1997

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