Tage des offenen Studios

Morgen Nachmittag und Sonntag Vormittag öffnen Iris Lindner und ich im Rahmen der „NÖ Tage der offenen Ateliers” unsere Räume für alle Interessierten.

Eine fotografische Serie, aus der ich Beispiele zeige, ist „Positionierung”. Sie beschäftigt sich (wieder einmal) mit der Suche nach dem „Wesen der Dinge”, hier nach dem Wesen der Menschen. Es gibt da ja verschiedene Vorstellungen – man denke nur an die christliche der Seele, aber auch an die gegensätzliche, dass die Essenz des Menschen leer ist, „das” Nichts. Für manche erschreckend, für manche tröstlich.

Subhash: „Positionierung #5780-83”

Es gibt kein Ich jenseits von Gesellschaft, und dieses spezifische Ich ist auf die beständige Wiederholbarkeit angewiesen, um zu sein.

(Barbara Pichler: „Autonomie im Alter”, 2010)

Auf die Notwendigkeit der ständigen Wiederholung um ein Ich aufrecht zu erhalten hat auch schon in den 70er-Jahren der berühmt/berüchtigte Timothy Leary hingewiesen. Er wehrte sich damit gegen den Vorwurf, „andere Wirklichkeiten” (z.B. durch LSD-Trips) seien ja von äußeren Stimulantien abhängig. Das ist aber offensichtlich jede Wirklichkeit. (Eigentlich per definitionem, denn wo nichts wirkt, gibt es keine Wirklichkeit.) Auch das scheinbar so ganz normale bürgerliche Dasein braucht unaufhörlich Bestätigung und Input, sonst löst es sich auf:

Vor einigen Jahren entdeckten Psychologen, dass ein Amerikaner, den man in einen dunklen Raum steckte, ohne Geräusche, ohne Licht und ohne jegliche Stimulation des Tastsinns, in anderen Worten ohne irgendeines der äußerlichen Spiele, seinen Verstand nicht wachhalten konnte. Eigenartige Dinge gingen in seinem Bewusstsein vor, er begann, Halluzinationen, Offenbarungen und Visionen zu bekommen, oder er geriet in Panik und stürzte aus dem Raum und schrie: »Hilfe?!« Der Grund dafür ist, dass der Verstand, der mit Spielen beschäftigte verbale Verstand wie eine Drogensucht ständige Stimulation braucht. […] Du musst Menschen um dich herum haben, die dich daran erinnern, dass du du bist; du musst Menschen um dich herum haben, die an den gleichen unmittelbaren Wirklichkeiten teilnehmen, die gleiche soziale Täuschung teilen, damit diese soziale Realität erhalten bleibt. Wann immer man nun diesen Bereich verlässt, die sozialen und sinnlichen Stimulanzien, dann kommt es zu Entzugserscheinungen. Die Menschen geraten in Panik, weil sie sich auf eine andere Ebene der Realität hinbewegen.

(Timothy Leary: „Politik der Ekstase”, 1970)

Ich habe damit Erfahrung, weil ich mehrmals den so genannten „Samadhi-Tank” von John C. Lilly benutze. Panik hatte ich keine, weil ich mich willentlich und absichtlich mit gereinigtem Geist diesem Sinnesentzug aussetzte. Heutzutage versuche ich die Selbstverständlichkeit und engstirnige Wirklichkeit meiner selbst und meiner Mitmenschen durch Fotografie zu stören, was ein sanfter aber wirkungsvoller Weg ist.

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